Theater

„The Wasp Factory“ im HAU

HAU_The_Wasp_Factory_4412_c_YannMingardMit seinem ersten Roman sorgte Iain Banks 1984 für jede Menge Empörung. „Abscheulich“ fanden viele Kritiker die ziemlich brutale Geschichte. In „The Wasp Factory“ rückt Banks einen autistischen Teenager ins Zentrum, der drei Menschen getötet hat, was er selbst lapidar als „Phase“ abtut. Seine Freizeit verbringt er auf einer abgeschiedenen Insel mit Tierquälereien. Banks zeigt eine grimmige Kinderwelt voller dunkler Magie. Ben Frost ist fasziniert von Banks Roman. Jetzt hat der in Island lebende Experimental-Musiker und Komponist aus dem Roman eine Musikperformance destilliert, bei der er nicht nur die Kompositionen für Streichensemble, Synthesizer und drei weibliche Stimmen beisteuert, sondern auch sein Regiedebüt gibt. Mit dem Theater hatte der 33-Jährige bis dahin vor allem als Komponist zu tun, etwa in  Zusammenarbeit mit Falk Richter.

Seine Solomusik ist auch nicht gerade leichter Stoff: elektronikgeprägte Soundepen zwischen Noise und Black Metal, derzeit arbeitet Frost an einem Album mit Swans-Percussionist Thor Harris. „Beim Lesen des Romans hat mich fasziniert, dass mir vieles aus meiner Kindheit vertraut vorkam“, sagt Ben Frost. „Meine Eltern waren beide hochrangige Polizeibeamte, die in schweren Verbrechen ermittelten, bei denen es um Mord oder sexuellen Missbrauch ging. Als Kind war ich ungewollt mit sehr üblem Zeug konfrontiert. Beim Lesen fragte ich mich, wo diese Grenze zum Gewalttätigen verläuft und was jemanden wie mich davon abhält, diese Grenze zu überschreiten.“ Die Erzählung und Stimmen der Protagonisten hat Frost auf drei Sängerinnen verteilt – ein Gender-Dreh, der auf das überraschende Ende der Geschichte verweist. Bei dem Trio lobten Kritiker nach der Uraufführung bei den Bregenzer Festspielen eine „stimmlich und körperlich geradezu unbehagliche Präsenz“. Eine gewünschte Wirkung. „Mich interessieren in allen Bereichen meiner Arbeit starke Identitäten, heftige Beziehungen zwischen ihnen und ihre Zusammenstöße“, sagt Frost. „I don’t play nice.“

Text: Ulrike Rechel

Foto: Yann Mingard

The Wasp Factory ?HAU 1, Do 26.–Sa 28.9., 20 Uhr, ?Karten-Tel. 25 90 04 27

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