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„Wenn das der Papa wüsste“ von Peter Laudenbach

Peter Laudenbach

Die hauptberufliche Erbin Barbara Brecht-Schall sieht ihre Lebensaufgabe bekanntlich vor allem darin, das Werk von „Papa“ Brecht zu musealisieren, den Staub darauf zu konservieren und vor intelligenten Interpretationen zu schützen. Deshalb hat sie Frank Castorfs kluge, in sich schlüssige und auf seine Weise werkgetreue Münchner Inszenierung des „Baal“ verbieten lassen. Es wäre ja noch schöner, wenn Brecht auf einmal nicht nur ihr „Papa“ und Tantiemenmillionenspender, sondern plötzlich ein auch heute noch ernst zu nehmender Künstler wäre.
Castorf hatte es gewagt, Brechts expressionistisches Jugendwerk mit späteren Kriegen und Krisen, mit Hendrix und „Apokalypse Now“ zu collagieren. Die Aufladung mit Pop, Drogen und Politik war in den Augen der Brecht-Besitzstandswahrer offenbar eine Verletzung des deutschen Reinheitsgebots und des Urheberrechts. Der vor Gericht ausgehandelte Kompromiss, mit dem sich die Brecht-Erben und der sie vertretende Suhrkamp-Verlag blamieren, besteht darin, dass das Münchner Residenztheater noch genau eine Vorstellung in München und eine (statt wie geplant zwei) Vorstellung beim Berliner Theatertreffen zeigen kann.
Wer sich für Brecht interessiert, kann sich auf das Jahr 2026 freuen. Da erlöschen die Rechte der Erben. Bis dahin ist mit interessanten Brecht-Inszenierungen nur in Ausnahmefällen, und wenn die Erben nichts davon mitbekommen, zu rechnen.

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