Theater

Wiederentdeckt: „Das bronzene Pferd“

DasBronzenePferdDie Opern François Aubers sind heute aus dem Gedächtnis der Opernbesucher nahezu verschwunden. Nun hatte die Komische Oper den Mut, den Komponisten aus der Vorläufer-Generation der berühmten Pariser Offenbach-Operetten auszugraben und Aubers unbekannte Opйra comique „Das bronzene Pferd“ aus dem Jahr 1835 auf den Spielplan zu setzen.
Regisseur Frank Hilbrich nimmt die Stilelemente, mit denen sich Auber und sein Librettist Eugиne Scribe über das Pariser Bürgertum lustig machen, pointensicher auf. „Das bronzene Pferd“ spielt in einem Fantasie-China, das ziemlich europäisch daherkommt. Mittelpunkt ist das Wohnzimmer eines Großgrundbesitzers, der seine Tochter zur fünften Ehefrau eines fetten, reichen Mandarins macht. Die Sopranistinnen Annelie Sophie Müller in der Rolle der Tochter sowie Erika Roos als Ehefrau Nummer vier, die dem Mandarin das Leben zur Hölle machen, veredeln ihre Darstellung durch federleichte Gesangskunst im besten Operetten-Stil.

Und das bronzene Pferd? Ist nicht so wichtig. Fast alle Figuren reiten im Lauf des Stücks mal zum Planeten Venus, wo sie angeblich ungeheure erotische Abenteuer erleben, die sie aber nicht verraten dürfen, sonst werden sie zu Stein. Aubers Musik, die lupenrein den Komödienstil von Rossini und Mozart ins mittlere 19. Jahrhundert hineinführt, unterstreicht die schwindelig machende Absurdität dieser gelungenen Ausgrabung.        

Text: Matthias Nöther
Foto: Thomas M. Jauk/ Stage Picture
tip-Bewertung: Sehenswert

Termine: Das bronzene Pferd
Komische Oper,
Karten-Tel. 47 99 74 00


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