• Kultur
  • Theater
  • „Wir lieben und wissen nichts“ im Renaissance Theater

Theater

„Wir lieben und wissen nichts“ im Renaissance Theater

Moritz Rinkes Stück „Wir lieben und wissen nichts“ ist der rare Fall einer luftigen, lebensklugen, nicht uneleganten Komödie, die ihre Pointen eher leise setzt und es entschieden nicht nötig hat, ihre Figuren ans dröhnende Schenkelklopfen zu verraten. Kein Wunder, dass das Stück des Berliner Autors seit der Frankfurter Uraufführung im Dezember 2012 eines der meistgespielten Gegenwartsstücke auf deutschen Bühnen ist. Jetzt ist es in Form vom Torsten Fischers eher rustikaler Inszenierung am Renaissance Theater in Berlin angekommen.

Die Konstellation ist beziehungskomödienerprobt: Zwei einander unbekannte Paare treffen aufeinander, in diesem Fall bei der Übergabe einer Wohnung auf Zeit. Das eine Paar stammt aus dem Bilderbuch des Großstadtneurotikers: Er (Hans-Werner Meyer) ist ein in die Jahre gekommener, etwas zielloser Hänger und Möchtegernschriftsteller, ein etwas zu sehr von sich selbst begeisterter Halbintellektueller, der mal Essays über die Bedeutung von Katzen auf Gemälden dichtet, mal davon träumt, eine Kulturgeschichte der Orgie zu verfassen, möglicherweise, weil sich sein eigenes Triebleben seit längerer Zeit auf die Freuden von Internetvideos beschränkt. Seine Freundin (Gesine Cukrowski) verdient das Geld für beide, indem sie gestressten Managern Zen- und Atemkurse gibt.

Was bei ihrem weltfremden Liebhaber zuverlässig für Wallungen der moralischen Empörung sorgt. Ist dieses Paar schon ein ergiebiger Pointenlieferant, kommt durch ihre Gäste zusätzliche Dynamik ins Spiel. Der leicht autoritäre Techniker und auf Effizienz geeichte Macher Roman (Tonio Arango), der hauptberuflich Kommunikationssatelliten im Weltall betreut, und die verträumte Tiertherapeutin Magdalena (Judith Rosmair) sind ein seltsames Paar, dessen Romanze eher auf Missverständnissen zu beruhen scheint. Die Konstellation sorgt logischerweise, wie es sich im gehobenen Boulevard gehört, für hübsche Verwicklungen, neue Paarbildungsversuche und munteres Seitensprung-Geknutsche auf dem Boden der leer geräumten Wohnung. Die zeitdiagnostischen Bonmots kommen über wertkonservative Paranoia angesichts des bösen Internets nicht hinaus, aber das stört nicht weiter.

Die Regie ist wirkungsorientiert und nicht ganz so elegant wie der Text, sie bevorzugt eine Spielweise im Fernsehstil, das aber gekonnt, temporeich und unpeinlich, was man bekanntlich nicht von jeder Berliner Aufführung von Werken der Gegenwartsdramatik behaupten kann.

Text: Peter Laudenbach

tip-Bewertung: Annehmbar

„Wir lieben und wissen nichts?“, Renaissance Theater, Di 20–Fr 23.5., 20 Uhr, Karten-Tel. 312 42 02

Mehr über Cookies erfahren