Festival

„Wir sind die Zukunft“ in der Schaubude

Mensch und Maschine: Die Schaubude versammelt in „Wir sind die Zukunft“ künstlerische Positionen zum digitalen Leben

Foto: Michael Krauss

So schnell wird man Spitze. Vor zwei Jahren, zu Beginn seiner Intendanz, hatte Schaubude-Chef Tim Sandweg forsch „Digital ist besser“ getönt und das ins Digi­tale aufbrechende Objekttheater zur Avantgardebrigade der gesamten Darstellenden Kunst erklärt. Nun gut, eine Spur Augenzwinkern war auch dabei. Inzwischen aber erhob der österreichische Medientheoretiker Peter Weibel, legendärer Digitaltausendsassa der Bildenden Kunst, das „Theater der Dinge“ mit Schauspielern, „die mit Robotern und autonomen Gegenständen spielen“, zur Zukunftsform der Bühnenbranche.
„Wir haben diese Steilvorlage genutzt und unser Festival ,Wir sind die Zukunft‘ genannt“, meint Sandweg fröhlich. Grund dazu hat er, denn das „Theater der Dinge“ gibt es schon seit 2003 als eigenständige Schiene und als Festival an seinem Haus. Die Zukunft war längst da, sie muss eben nur erkannt werden.

Dieses Festival ist das Walhalla der Programmierer und Mechatroniker unter den Puppenspielern. Einige der besten Produktionen aus der Schaubuden-Reihe „Digital ist besser“ werden bei „Wir sind die Zukunft“ wieder aufgeführt. Und die in Sachen Robotik erfreulich aktive Abteilung Puppenspiel der „Ernst Busch“-Hochschule präsentiert die jüngsten Produkte ihrer Bastel- und Frickel-Werkstatt.
Die Bandbreite der gezeigten Produktionen ist groß. Es gibt ein Wiedersehen mit dem charmanten „Theaterautomat“. Jeweils ein Zuschauer steckt darin den Kopf in eine Kugel und sieht runden und scharfen Metallobjekten bei ihrer magnetisch angetriebenen Performance zu. In Richtung „echter“ künstlicher Intelligenz bricht „Pinocchio 2.0“ auf. Gegen tierähnliche Kampfroboter, die die Weltherrschaft errungen haben, geht der Androide Pinocchio vor. Er leidet bei all seiner technischen Überlegenheit aber daran, dass die Menschen ihn nicht als Ihresgleichen akzeptieren. Werden hier die Puppenspieler fast komplett zu Bedienern ihrer Roboter-Akteure – es treten neben Pinocchio eine Drohne, ein ferngesteuertes Fuchs/Katze-Monster und ein autonom agierender Saurier auf –, so kehrt in „Robot Dreams“ der menschliche Körper zurück: Tänzer legen sich Erweiterungen in Form von Flügeln und raupenartigen Gebilden an. Die Zukunft geht eben über zweiarmige und -beinige Wesen hinaus.

Schaubude Berlin Greifswalder Str. 81–84, Prenzlauer Berg, Di 27.2.– Di 6.3, Eintritt 0–12,50, erm. 0–8 €

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