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„Wir sind ?Direktor“ von Stefan Hochgesand


Die Hände hätten ihm vor Freude gezittert. Sagt Eike Schmidt. Gerade hat er den Job ergattert, von dem nicht nur Kunstgeschichtserstsemester träumen: Direktor der Uffizien in Florenz ist er. Als erster Ausländer. Wir Deutschen sind eben auch Kultur-Export-Weltmeister: Anselm Franke machte die 10. Shanghai-Biennale, Klaus Biesenbach bespielt die New Yorker  Kunsthalle MoMA PS1 und Martin Roth leitet das staatstragende Victoria and Albert Museum in London. Oops, London, England – da war doch was? Ach ja, fürs Berliner Humboldt-Forum und für die Volksbühne haben wir uns just zwei Gentlemen aus Albion eingekauft: Neil MacGregor und  Chris Dercon. Und um’s HAU kümmert sich die smarte Annemie Vanackere aus den Niederlanden. Na gut, aber wir Deutschen haben mit Co-Direktor Hans Ulrich Obrist die Londoner Serpentine Gallery neu erfunden. Ach nein, die Schweizer waren’s, sorry.
Mir schwirrt der Kopf. Sind unsere Kunstbetriebler gerade alle auf Erasmus-Austausch? Hand aufs Herz: Das ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Springen wir noch mal nach Florenz und in die Renaissance. Erasmus-Zeit. Natürlich war Albrecht Dürer in Venedig und den Niederlanden. Im Barock lief das nicht anders: Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck gingen brav auf ihre Italienreisen. Und Arp war so grenzüberschreitend, dass sich die Nationen streiten, ob er Hans oder Jean heiße. Leute, die Kunst war schon immer ein Austausch!

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