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„Wissen Sie, wie man Töne reinigt? Satiesfactionen“

WissenSieWieManToeneReinigt.In der Wohnzimmeratmosphäre der Schiller Theater Werkstatt hat sich der Intendant der Staatsoper, Jürgen Flimm, einen Spaß gegönnt und mit Stefan Kurt, Jan Josef Liefers und Klaus Schreiber einen Erik-Satie-Abend inszeniert. Er besteht aus Saties mit ein paar anderen seiner Texte angereichertem Nonsens-Einakter „Le piиge de Mйduse“ („Die Falle des Qualle“), der dazugehörigen Tanzmusik und anderen bekanntlich betont beiläufigen Kompositionen des Meisters, arrangiert u.a. für Klavier, Vibraphon, Celesta und singende Säge (musikalische Leitung Arno Waschk). Im Zentrum steht ein Billardtisch. Darauf Wassergläser und allerhand Kram, der seinen Verwendungszweck garantiert finden wird: „Immer wird man feststellen, dass der Entstehung dieser Werke keinerlei musikalische Idee zugrunde liegt. Vielmehr dominiert ein rein wissenschaftliches Denken“ (Satie, „Memoiren eines Gedächtnislosen“).

Die drei Schauspieler dürfen sich austoben, Affentänze in Affenmaske aufführen, melancholisch Witze reißen, Maultrommel spielen oder bei intimer Beleuchtung am Billardtisch vorbeischleichen, um auf den Wassergläsern jene Erik-Satie-Erkennungsmelodie zu spielen, die in Funk und Fernsehen so häufig in Gebrauch ist und deren Titel man sofort vergisst, wenn eine Affenmaske nach einem geworfen wird. Diese Gefahr besteht im Verlauf des Abends durchaus. Das Zuschauerdasein ist nicht immer ungefährlich. Hat man Pech, wird man zur Zielscheibe der Affenmaske oder muss mit den Schauspielern Walzer tanzen. Der Abend ist herzerfrischend bekloppt. Aber nicht nur. Versteckt liegt da wohl auch die Mission einer kleinen Erik-Satie-Enzyklopädie vor. Das fängt beim angeklebten grauen Satie-Spitzbart an, setzt sich im liebevollen Umgang mit den Instrumenten fort: Musik für Schreibmaschine und Küchengeräte. Das hätte noch ein bisschen mehr Katzenmusik, komische Geräusche und sonstige Irritationen vertragen, denkt man, wenn zum guten Ende die Gläser doch wieder zum Weintrinken gebraucht werden. Aber  warum auch nicht? Bei Satie geht es ja ohnehin um Verflüchtigung.

Text: Andreas Hahn

tip-Bewertung: Sehenswert

Wissen Sie, wie man Töne reinigt? Satiesfactionen Schiller-Theater-Werkstatt 31.3., 1., 5.–7., 9., 10.4., 20 Uhr

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