Figurentheater

„Working Society“ in der Schaubude

Die Gruppe United Puppets reflektiert in „Working Society“ Veränderungen in der Arbeitswelt

Foto: Mario Hohmann

Wissenschaft, Wirtschaft, Regierung – alle reden von der „Indus­trie 4.0“. Die Digitalisierung der industriellen Produktion soll die die ganze Arbeitswelt verändern. Aber was macht das mit den Menschen, wenn Maschinen die Produktionsprozesse selbst organisieren? Die Puppenspieler Hans-Jochen Menzel und Melanie Sowa nehmen den Richtungswechsel als Anlass zum Entrümpeln.
Die Bühne ist vollgestellt mit billigen karierten Kunststofftaschen, wie man sie weltweit auf Trödel- und Schwarzmärkten findet, Zeichen für Migration und Prekariat. Darin sind Puppen und Kostüme aus jahrzehntelanger Theaterarbeit. Melanie Sowa drückt aufs Tempo, will wegschmeißen, das Alte digitalisieren. Hans-Jochen Menzel ist sentimental, will festhalten, kommt ins Schwärmen über ein nie realisiertes Projekt zu Scheerbart und dessen Perpetuum-Mobile-Erfindung. Sowa erinnert an ihren Fantasten Sörgel, der in den 1920ern das Mittelmeer absenken wollte, um Vollbeschäftigung für Europa und Afrika zu schaffen.
In rasanten absurd-skurrilen Szenen werden Arbeit und Müßiggang thematisiert. Weltverbesserer und Philosophen werden zitiert, Tod und Teufel und die Arbeit selbst bekommen Gestalt. Wortgeprassel, kluge Angebote. Zum Schluss zeigen sie, dass sie auch digitale 3D-Figuren animieren können. Aber gepunktet haben die Spieler mit den Handpuppen-Szenen, wie das Vergnügen im Publikum zeigte.

Working Society in der Schaubude Fr 13. + Sa 14.1., 20 Uhr, So 15.1., 19 Uhr, Eintritt 12,50, erm. 8 €

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