Comedy

„Yes but No“ am Gorki

„Wir haben so ziemlich alles durch“ – Regisseurin Yael Ronen widmet sich dem Minengebiet der sexualisierten Gewalt

ute langkafel/ maifoto

Der weiße Bademantel dürfte beste ­Chancen haben, zum Signalkleidungsstück der Saison zu avancieren – kleiner Gruß an Harvey Weinstein, Dieter Wedel und andere Dirty Old Men. Als zuverlässiges Konflikterforschungs­institut widmet sich das Gorki zur Spielzeiteröffnung dem #metoo-Minengebiet. Und natürlich räkeln sich die Herren und Damen Performer (Riah May Knight, Kindy Larsson, Svenja Liesau, die daueraufgekratzte Orit Nahmias und Taner Sahintürk) in Yael Ronens Themenabend „Yes But No“ im Harvey-Frottee an der Rampe. Das ist arg vorhersehbar, aber irgendwer muss den Haudrauf-Job an der Verbesserung der Verhältnisse oder zumindest des Diskurses ja machen.

Die Gorki-üblichen Stilmittel werden sauber abgearbeitet, von der unvermeidlichen Selbstthematisierung des Bühnenpersonals samt echten oder fiktiven Berichten von eigenen Erlebnissen im Untersuchungsgebiet der sexualisierten ­Gewalt bis zur Selbstironie, mit der die lange Reihe der vom krisengebietserprobten Theater in letzter Zeit abgehakten Groß-Krisen, Kriege und Bürgerkriege aufgezählt wird: „Wir haben so ziemlich alles durch.“ Jetzt also #metoo, völlig zurecht natürlich, auch wenn es nach diesem ­Vorlauf und dank Yael Ronens munteren wie routiniert abgespulten Kabarett-Mitteln ein wenig wie eine Trend-Themen-Pflichtveranstaltung wirkt. Die Pointen sitzen, und beim Irritationsflirt mit dem Publikum kann dem Gorki-Ensemble eh keiner was vormachen: „Haben wir gerade all die Leute sexuell belästigt?“

Zwecks etwas direkterer Ansprache gibt es eine Fragerunde ans Publikum („Wer hat schon mal jemanden sexuell belästigt?“). Höhepunkt des Abends, bitte entschuldigen Sie die Wortwahl, ist das Lied vom „Deal of Consent“, das gut­gelaunt vorführt, wie man sich über die schönsten Intimkörperöffnungsbegegnungen höflich verständigt: „Das ist der beste Sex, den wir jemals geplant ­haben.“

Maxim Gorki Theater Fr 28.9., Fr 5.10., 19.30 Uhr, Eintritt 10 – 38 €

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