Theater

Zeitkunst-Festival im Radialsystem

ZeitkunstFestivalDer Grenzbereich zwischen neuer E-Musik und anderen Ausdrucksformen ist in Bewegung. Mit Reihen wie dem „elektroakustischen Salon“ im Berghain, „Unerhörte Musik“ im BKA oder den Projekten des Ensembles Zeitkratzer im Haus der Kulturen der Welt haben sich offene Experimentierforen etabliert. Interessanten Spannungsverhältnissen hat sich auch das junge Festival Zeitkunst verschrieben, bei dem die Engführung der Künste auf synästhetische Weise verläuft, zwischen den Polen Musik und Sprache. Das Programm teilt sich eine international besetzte Riege aus jungen Komponisten, Kammermusikern, Regisseuren und Lichtkünstlern. Uraufführungen stehen neben Avantgarde-Klassikern wie Edgar Varиse, Arnold Schoenberg oder Igor Strawinsky. Die Musikstücke liefern den Ausgangspunkt für neue Texte; mit Renaissance-Komponist John Dowland findet sich auch ein alter Meister unter den Modernen. Ein wenig Orientierungshilfe zu den beiden komprimierten Konzertabenden liefern die vier thematischen Überschriften der Programmsektionen, darunter „In Darkness Let Me Dwell“ nach Dowlands Vergänglichkeits-Lamento mit Sopranistin Olivia Stahn und den Streicherinnen des „Ardeo“-Quartetts „Pierrot / Petruschka“ kreist um die gleichnamigen Figuren aus den Stücken Strawinskys und Schoenbergs, „Deutschland Frankreich Israel“ schließlich stellt Uraufführungen aus drei Ländern vor. Den Auftakt des Wochenendes im Radialsystem – „Saison йlectronique“ – setzt ein Pionierstück für alle Forschergeister unter Clubmusikern: Varиses „Poиme йlectronique“, das dieser 1958 als interdisziplinäres Gesamtkunstwerk anlegte, zusammen mit Iannis Xenakis und Architekt Le Corbusier. Eine „Supergroup“ der Moderne sozusagen.

Text: Ulrike Rechel

Zeitkunst Festival Sa 12.+So 13.11., Radialsystem V, 19 Uhr + 22 Uhr (Sa) / 16 Uhr u. 19 Uhr (So), Karten-Tel. 288 78 85 88

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