Theater

Zey’break im Ballhaus Naunynstraße Berlin

ZeyBreakWer bin ich? Wo komme ich her? Was ist meine wahre Identi­tät? Bin ich das, was in meinem Pass steht? Oder was macht mich wirklich aus? Im letzten Jahr haben sich sechs HipHop-Tänzer und Tänzerinnen, alle mit einem anderen kulturellen Hintergrund, diese Fragen gestellt. „2nd ID“ hieß das Stück, es war ziemlich gut, eine der besten zeitgenössischen HipHop-Produktionen aus Deutschland.

In Brasilien entwickeln Cho­reo­­grafen wie Bruno Beltrгo oder Tais Vera und Paulo Azevedo aus dem HipHop ganz unterschied­li­che Tanzstile. In Frankreich verhält es sich ähnlich. Nur in Deutschland kommen die Breakdancer von den alten Shows nicht richtig los. „2nd ID“ aber war anders, brüchig, sperrig, aufregend. Am aufregendsten war Kadir Memis, ein sagenhafter Tänzer. Unter dem Namen Amigo genießt Memis in der Szene großen Ruhm. Die von ihm mitbegründete Formation Flying Steps wurde vier Mal Weltmeister im Breakdance.

Aber Kadir Memis’ Interessen gehen heute in eine andere Richtung. Im Ballhaus Naunynstraße zeigt er jetzt sein erstes eigenes Tanzstück: „Zey’break„. Das Wort kommt, wie der im Alter von zehn Jahren mit den Eltern nach Deutschland gezogene Memis, aus Anatolien. Im 19. Jahrhundert war Zeybek eine Bezeichnung für Krieger, die einen eigenen Tanzstil entwickelten. Ihr Tanz beruhte auf Improvisation und sollte etwas vom eigenen kriegerischen Geist ausdrücken. Zeybek ist der Battle-Kultur des HipHop nicht ganz unähnlich. Die Krieger sind ausgestorben, der Tanz nicht. Auch wenn Zeybek heute vor allem als traditionelle Musik gepflegt wird. Kadir Memis hat sich gemeinsam mit dem Hip­Hopper Yavuz Topuz alias Risk One auf die Spuren gesetzt. In „Zey’break“ lassen sie Tradition und Gegenwart, die eigene türkische Geschichte und das Leben im Deutschland von heute aufeinanderkrachen.

Text: Michaela Schlagenwerth

Foto: MAI.FOTO UteLangkafel.

Zey’break Ballhaus Naunynstraße, Kreuzberg, 24.-29.1., 20 Uhr,
Karten: 347 45 98 99

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