Politisches Theater

„Zig Zig“ im HAU 1

Vergewaltigung als Waffe: Die mutige ägyptische Regisseurin Laila Soliman zeigt ihr Stück „Zig Zig“

Foto: Ruud Gielens

Die ägyptische Regisseurin Laila Soliman war eine der Aktivistinnen im Arabischen Frühling. Ihre Inszenierungen, die sie in Kairo unabhängig produziert, behandelten während der Revolution Themen wie Foltern oder Militärgewalt. Heute arbeitet sie wieder, wie vor der Revolution, unter Bedingungen der Zensur in einem autoritär regierten Land  – Theaterarbeit in einer rechtlichen Grauzone, vom Regime bestenfalls geduldet.
Auch ihre neue Arbeit „Zig Zig“ ist dokumentarisch und hochpolitisch: Sie untersucht eine Momentaufnahme aus dem ägyptischen Befreiungskrieg gegen die britische Kolonialmacht zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bei den Recherchen zu „Zig Zig“ ist Laila Soliman auf Gerichtsprotokollen von 1919 gestoßen. Angeklagt waren britische Soldaten, die ein Bauerndorf in Oberägypten überfallen, die Frauen vergewaltigt und die Häuser niedergebrannt hatten.
Zwölf Opfer der Vergewaltigungen hatten danach den Mut, vor Gericht als Zeuginnen aufzutreten. Das ist historisch, aber nicht nur. Öffentlich über sexuelle Gewalt zu sprechen, ist im konservativen Ägypten immer noch heikel. Sexuelle Gewalt ist ein Herrschaftsinstrument, nicht nur, aber auch in islamischen Ländern. Indem Soliman den historischen Fall aus dem Kolonialkrieg zum Thema ihres Stücks macht, erinnert sie die Europäer, die Arabern heute gerne Frauenverachtung und eine anachronistische Sexualmoral attestieren, an ihre eigenen Verbrechen.
In „Zig Zig” erwecken fünf Performerinnen die mutigen Frauen, die vor einem knappen Jahrhundert gegen ihre Vergewaltiger in Uniform vor Gericht aussagten, zum Leben. Laila Soliman verbindet die Zeugenaussagen von damals mit ­aktuellen Diskussionen über rape culture: „Warum werden ­sexuelle Übergriffe auf Frauen oft verharmlost, angezweifelt oder instrumentalisiert? Wie viel hat sich mit der Zeit wirklich geändert?“, fragt die Regisseurin.

HAU 1 Stresemannstr. 29, Kreuzberg, Do 27.–Sa 29.4., 20 Uhr, Eintritt 16,50/ erm. 11 €

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