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„Zum feuchten Eck an der Sonnenallee“ mit den Rixdorfer Perlen

Rixdorfer_Perlen_Zum_feuchten_EckIn ihrem neuen Stück „Zum feuchten Eck an der Sonnenallee“ kämpfen die Rixdorfer Perlen gegen einen Großinvestor aus Lichterfelde und gegen andere Neuköllner Gentrifizierungs-Zumutungen. Nicole Oder und Julia von Schacky vom Leitungsteam des Heimathafens Neukölln sind zwei der Rixdorfer Perlen. Wir haben sie vor der Premiere angerufen.

Ganz dumme Frage: Wie kam es zur Gründung der Rixdorfer Perlen?
JULIA VON SCHACKY?
Das hat eine lange Vorgeschichte. Der Heimathafen war eine Idee, die vor vier Jahren in einer leer stehenden Kneipe im Richardkiez startete. Wir hatten damals die Idee für einen Berliner Liederabend um drei Figuren herum und so wurden die drei Rixdorfer Perlen geboren.
NICOLE ODER?Seitdem sind die Perlen mit uns mitgewandert und haben sich mit uns mit verändert. Sie sind schon ein bisschen mehr als austauschbare Figuren. Nach der Kneipe im Richardkiez lief der Heimathafen zwischendurch in der Alten Post, da haben die Perlen den ehemaligen Postschalter als Post-Bar betrieben und thematisiert, wie diese ganzen jungen Künstler in den Kiez kommen. Als wir dann den Saalbau übernahmen, ging es darum, wie Theaterstücke in Neukölln entstehen und welche Geschichte der Saalbau hat. Für uns waren die Perlen immer der Spiegel und das Guckloch, durch das wir uns selbst und unsere Veränderungen untersuchen konnten.

Und jetzt ist in Ihrem neuen Stück das Tresenbiotop der Rixdorfer Perlen in Gefahr: Ein Großinvestor will die Kneipe Zum feuchten Eck übernehmen. Fallen die Neuköllner Kneipen dem Kreuzkölln-Hype zum Opfer?
ODER
?Ich lebe selber seit zehn Jahren in Neukölln und aktuell gibt es hier im Kiez Todesanzeigen für das Wanderstübel, das war eine der alteingesessenen Trinkanstalten um die Ecke. Das Thema liegt uns am Herzen. Nur wird das hier im Kiez teilweise mit einer ziemlichen Verbissenheit verhandelt. Wir sind schon der Meinung, dass sich Städte und Kieze verändern dürfen. Wir sind nur dagegen, dass es mit so einer Heuschrecken-Mentalität geschieht.
VON SCHACKY?Es geht um das Sterben dieser alten Kneipen, die so etwas wie Begegnungsstätten für alle waren. Wie hat Britta mal so schön gesungen: Orte, wo sich Heiner Müller und Harald Juhnke begegnen können. In den neuen Kneipen ist das nicht möglich, da gibt es klare Zugehörigkeiten. Die Eckkneipe in unserem Stück, in unserer Fantasie ist so etwas wie ein sozialer Ankerplatz, den es schon seit Ewigkeiten gibt und mit dessen Untergang eine ganze Kneipenkultur verloren geht.
ODER?Die Perlen nutzen das Stück ganz gutmenschenhaft als ein Plädoyer dafür, dass vielleicht eine Veränderung möglich sein kann, die noch ein Nebeneinander ermöglicht und nicht so einen kompletten Austausch an Lebenswelten bedeutet.

Und wie schaffen es die Rixdorfer Perlen, die Heuschrecken zu verhindern?
ODER
?Mit Schirm, Charme und Melone, würde ich sagen.
VON SCHACKY?Und mit Schnaps.
ODER?Mit jeder Menge Schnaps.
VON SCHACKY?Aber mehr wird hier nicht verraten.    

Interview: Michaela Schlagenwerth
Foto: Verena Eidel

Zum feuchten Eck an der Sonnenallee: Termine
im Heimathafen Neukölln,
Premiere: Do 17.1., 20 Uhr,
Karten-Tel. 61 10 13 13

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