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Zwiespältig: „Prometheus, gefesselt“ an der Schaubühne

Prometheus_gefesseltPrometheus hat ein Problem, Prometheus sieht aus, als hätte es ihn direkt aus Abu Ghraib in den Saal C der Schaubühne verschlagen. Auch dies ist ein ungemütlicher Ort, vor allem, wenn man wie Prometheus mit schweren Eisenketten an die Betonrück­wand gefesselt ist, auf einem kleinen Sockel über einer Wasserpfütze stehen und den Leidensmann machen muss (Bühne: Jens Kilian). Prometheus, der Gott, der den Göttern das Feuer gestohlen und den Menschen gebracht hat und jetzt zur Strafe die Ewigkeit an den Kaukasus geschmiedet überstehen darf, ist in Jossi Wielers bemerkenswert langweiliger Inszenierung der Aischylos-Tragödie an der Schaubühne nichts als der Schmerzensmann, das Klischee der leidenden Kreatur, der ungebärde Aufrührer, der munter auf Gottvater Zeus schimpft – was, wenn man die dumpfe Abu- Ghraib-Ikonografie versuchsweise mal eine Sekunde ernst nimmt, darauf hinausläuft, dass der US-Oberbefehlshaber so was wie der oberste Gott wäre. Heiße These. Ernst Stötzner tönt und dröhnt seinen Prometheus, ohne zu den etwas komplizierteren Zügen der Figur vorzudringen und verlässt sich ansonsten ganz darauf, dass auch halb verstandene Sätze was hermachen, wenn man sie nur inbrünstig genug röhrt.

Text: Peter Laudenbach
Fotos: Arno Declair

(tip-Bewertung: Zwiespältig)

Termine: Prometheus, gefesselt
in der Schaubühne
Mi. 23.12. 20.30 Uhr und weitere Termine

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