• Kultur
  • Theo Weiss über den Autorenwettbewerb „52:52“

Kultur

Theo Weiss über den Autorenwettbewerb „52:52“

weiss_theoHerr Weiss, worum geht es bei „52:52“?
Man kann Texte oder andere Beiträge einreichen zu einem Fußballbuch mit künstlerischem Anstrich, das auch 52 Cartoons enthalten wird. Wir wollen damit zeigen, wie lebendig die Fanszene ist. Der bisherige Rücklauf ist toll, wir haben schon viele, sehr lustige Geschichten. Nun haben wir den Einsendeschluss frisch verlängert bis Ende Januar.

Fußball ist inzwischen ja absolut in der Mite der Gesellschaft angekommen.?
Ich beobachte das schon auch skeptisch, was die ganze Kommerzialisierung so mit sich bringt. Der Fanbegriff wird von den Vereinen ja bewusst sehr breit definiert, man kann von einem Trend zum Familienevent sprechen. Umgekehrt machen die vollen Stadien auch Spaß. Ich kannte Fußball ja auch in den 80er-Jahren, mit verregneten Stadien und niedrigen, fünfstelligen Besucherzahlen.

Sie sind langjähriger Fan. Sind Sie Ultra? ?
Das mit den Ultras ist eine spezielle Sache. Ich begrüße das verstärkte Kurvenleben. Selber bin ich aber kein Ultra, weil ich schon seit 30 Jahren dabei bin. Ich bin mehr so old school. Ultra ist die neue Generation. Ein bisschen stört mich das sehr Selbstdarstellerische der Ultras. Sie stellen sich manchmal über Verein und Mannschaft. Im Vergleich zur alten Hooligan- und Kuttenszene gibt es inzwischen aber doch eine geringe Gewaltbereitschaft. Ich bin auch nicht unbedingt der strikte Gegner von Pyrotechnik, solange verantwortungsvoll damit umgegangen wird.

Weiterlesen: Fußball-Kneipen in Berlin

Sie sind Fan von Borussia Mönchengladbach, leben aber in Berlin. Nie in Versuchung gekommen, zu Hertha überzulaufen? ?
Das käme nicht infrage. Und das ist ja auch das Problem von Hertha. Die Leute kommen alle mit ihren Vereinen nach Berlin und bleiben dann dabei. Für mich ist auch im Olympiastadion immer noch diese Architektur und Geschichte spürbar, das lässt mich auch den Wandel in der Hertha-Fanszene nicht vergessen, der ja durchaus zu beobachten ist.

Jetzt wollen Sie selbst eine Fankneipe eröffnen?  ?
Genau. Sie soll Poruzzi heißen: Vor-Russland. Das ist ja die Wortwurzel für alle Borussen-Vereine, sie erinnert an eine Zeit, als es für die Gegenden hier noch gar keinen eigenen Namen gab. Ich suche bewusst in der zweiten und dritten Reihe in Kreuzberg. Mit den Touristenströmen in der Oranien- oder Schlesischen Straße will ich gar nichts zu tun haben. Mit ein bisschen Glück findet man hier immer noch Gewerberäume im Abseits, die auch als kleine Kiezkneipe noch funktionieren.

Interview: Bert Rebhandl

52:52 Alle Informationen zum Fußball-­Autorenwettbewerb unter www.2und50.com

Mehr über Cookies erfahren