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Pop-Kultur

„Totaler Boykott“ von Stefan Hochgesand

Die palästinensische Anti-Israel-Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“ echauffiert sich über das Festival Pop-Kultur und ruft zum Boykott auf. Mehrere Künstler aus dem arabischen Raum sind dem Aufruf gefolgt

500 Euro sind ja fast schon Peanuts, wenn man über eine Million zur Verfügung hat, aber wegen 500 Euro ändert sich beim Berliner Festival Pop-Kultur gerade viel. Fünf Acts haben ihre Auftritte bei Pop-Kultur (23.–25.8.) abgesagt: Abu Hajar, Emel Mathlouthi, Islam Chipsy & EEK, Hello Psychaleppo sowie Iklan featuring Law Holt – also alle arabischen Acts des eigentlich ganz schön diversen Line-Ups.
Wie kommt’s? Besagte 500 Euro hat die Botschaft Israels dem Festival gesponsert, als Künstlerreisekostenzuschuss. Das klingt nicht viel im Vergleich zu den jeweils 330.000 Euro vom Berliner Senat und vom EU-Regionalfonds oder den 500.000 Euro aus dem Dienst-Portemonnaie der Kulturstaatsministerin. Aber: Die palästinensische Anti-Israel-Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“, die kürzlich auch eine Holocaust-Überlebende an der Humboldt-Uni beschimpfte, nahm diese 500 Euro zum Anlass, zu behaupten, das Festival würde „co-organisiert“ von Israel. Anschließend wurden viele Acts dazu aufgefordert, das Festival aus politischen Gründen zu boykottieren.
Die Fake News von wegen „Co-Organisation“ hat BDS inzwischen zurückgezogen, was aber am Boykott nichts ändert. Es ist ein Jammer, denn, wie das Festivalteam beteuert, hatte keiner der Sponsoringpartner Einfluss auf das in jeder Hinsicht lobenswerte Programm. Der beste Beweis dafür ist doch: dass israelkritische Bands eingeladen waren.

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