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21. Transmediale startet online: Digitalkultur-Festival unter neuer Leitung

Trotz Pandemie startet die 21. Transmediale – zunächst online. Die irische Interaktionsdesignerin Nora O Murchú kuratiert das Festival für digitale Kultur und Medienkunst. Was euch dieses Jahr erwartet.

Künstlerische Leitung der Transmediale 2021: Nora O Murchú erhofft sich einen feministischeren Kurs. Foto: Conor Buckley, transmediale, CC BY-SA 4.0
Künstlerische Leitung der Transmediale 2021: Nora O Murchú erhofft sich einen feministischeren Kurs. Foto: Conor Buckley, transmediale, CC BY-SA 4.0

Eine Transmediale über Verweigerung: „for refusal“

Das letzte Januar-Wochenende gehört im Berliner Kulturkalender der Transmediale, dem großen Festival für digitale Kultur, und auch 2021 bleibt es dabei. Doch unter neuer Leitung und in der Pandemie ändern sich Inhalt wie Formate: Das Festival wird über das Jahr verteilt stattfinden, an verschiedenen Orten und im Internet. Unter dem Motto „for refusal“ wird es Filme, Spiele, Kunst, Klang, Essays und Gesprächsrunden zusammenbringen, die Chancen und Risiken von Verweigerung thematisieren.

Bereits seit Mitte Januar lässt sich www.vorspiel.berlin aufrufen, eine gemeinsame Website von Transmediale und dem Musikfestival CTM. Zwei Monate lang sollen hier Kulturhäuser digitale Kunst und Musik veröffentlichen.

Digitale Ausstellungen im Kunstraum Kreuzberg und Silent Green

Zudem soll die teils hochkarätig besetzte Ausstellung „Rendering Refusal“, die am 25. Januar in Kunstraum Kreuzberg und Silent Green beginnen sollte, termingerecht aufgebaut sein und sich dann digital besuchen lassen: mit Arbeiten von 14 Teilnehmenden, darunter Eli Cortiñas aus Berlin, Bassam Al-Sabah aus Irland, Yang Ah Ham aus Korea und Sung Tieu, Co-Trägerin des Ars-Viva-Preises 2020.

Das Filmprogramm wandert auf die Internetseite „Almanac for Refusal“ (ab 28. Januar), zusammen mit Beiträgen verschiedenster Formate, die jeweils an Vollmond aktualisiert werden. Auch hier ist der CTM beteiligt: bei Frances Scotts Kurzfilm „Valentina“, einer Hommage an die Musikerin Wendy Carlos.

„Wendy Carlos in her studio, 1984“: Die Musikerin ist Thema eines Films von Frances Scott, der auf der 21. Transmediale gezeigt wird. Foto: Wendy Carlos
„Wendy Carlos in her studio, 1984“: Die Musikerin ist Thema eines Films von Frances Scott. Foto: Wendy Carlos

Nora O Murchú will eine feministischere Transmediale

Verantwortlich für das Programm ist die irische Interaktionsdesignerin Nora O Murchú, die erste Frau an der Spitze der Transmediale. In der Ausschreibung der Stelle hieß es, eine Anbindung des Festivals an „marginalisierte Communitys“ sei „ausdrücklich erwünscht.“

O Murchú hofft, die Transmediale feministischer ausrichten zu können. Viele Beiträge versprechen zudem eine Erweiterung des Blicks Richtung Süden, etwa nach Chile und Indonesien.

Projektförderung vom Bund, niedrige Preise für Besucher*innen

O Murchú hat auch eine neue Infrastruktur zu bewältigen. Unter Leitung ihres Vorgängers Kristoffer Gansing hatte sich die Transmediale von ihrem alten Träger gelöst, den Kulturprojekten Berlin, die die Verwaltungsarbeit erledigten. Nun muss das ein eigener Verein leisten. Das Land Berlin unterstützt die Transmediale jetzt mit Projektförderung, zusätzlich zu den 550.000 Euro der Bundeskulturstiftung.

Im August dann soll auf dem Dach des Hauses der Kulturen der Welt das Transmediale-Kino stattfinden, noch davor im Juli eine Konferenz. Einen pandemiebedingten Besucher*innen-Schwund hofft das Team abfedern zu können: mit niedrigen Preisen für On- und Offline-Veranstaltungen.

  • Transmediale 2021, online, mehr Infos zum Festival hier

Mehr zu Kunst und Kultur in Berlin

Mit dem ehemaligen Transmediale-Kurator sprachen wir Anfang 2020: Kristoffer Gansing über das mögliche Ende der Netzkultur als Gesellschaftsutopie. „Cyberia“ heißt der digitale Raum, in dem sich das wichtige Elektronik-Festival CTM bewegt. Es war ein schräges Jahr für Galerien, Museen und Messen: der tipBerlin-Jahresrückblick auf die Kunst 2020.