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Traumberuf Drehbuchautor

Jochen Brunow by Jens Berger / tipWie man zum Drehbuchautor wird, klingt zunächst simpel: „Man schreibt Drehbücher“, so Jochen Brunow, Autor (u.a. „Berlin Chamissoplatz“, „Bella Block“) und Leiter der Drehbuchakademie an der Deutschen Film- und Fernseh­hochschule Berlin (dffb). Nur: Wie fange ich es an? Drehbuchratgeber füllen inzwischen viele Regalmeter, und das Angebot an speziellen Schreibkursen wird fast monatlich größer und verwirrender. Vor gut 20 Jahren entstanden die ersten Drehbuchstudiengänge an den Filmhochschulen, vor allem seit der Jahrtausendwende kommen private Drehbuchschulen auf den Markt. Auch an den Volkshochschulen wird der aufstrebende Amateur fündig.
Selbst wenn es manche Kursanbieter und Buchautoren vollmundig versprechen: Kein Lehrgang entlässt automatisch einen fertigen, gar erfolgreichen Autor. Überhaupt, was heißt „fertig“? Ein Drehbuch ist ein imposanter Stapel Papier und, kaum au­s­ge­druckt, schon wieder Makulatur. Bis zum Film – falls es ihn je geben wird – kommen die zweite bis zweiundzwanzigste Drehbuchfassung, der Autor schreibt um, streicht und setzt neu an, und immer wieder endet alles im großen Wurf – in den Papierkorb.

Producerin zu Autor:

„Was sind denn das für öde
Dialoge … Mir fehlen da noch
20 Prozent mehr Humor.“

Kirsten Harder
, Seminarleiterin der privaten Skript Akademie Berlin, erinnert ein wenig an einen Sportcoach, der für jede Problemzone die passende Übung kennt: Schreibblockade? Dagegen helfen Kreativitätsübungen. Probleme mit der Glaubwürdigkeit der Figuren? Dann vielleicht eine Art Familienaufstellung für die selbst geschaffenen Geister. Angst vor herber Kritik von Produzenten, Regisseuren oder auch Drehbuchdozenten? Rollenspiele stärken die Nerven und üben das Einstecken von Schlägen. „Nur wer beratungsresistent ist, wird in einem Drehbuchkurs nicht glück­lich.“ Doch wonach wählt man seinen Drehbuchkurs aus, um nicht enttäuscht und gleichzeitig um viel Geld ärmer zu werden? Kirsten Harder empfiehlt, genau auf die Berufserfahrung und die Ausbildung der Dozenten zu schauen und auch die Lehrer persönlich kennenzulernen, bevor man bucht. Ebenso sollte man die Angebote und Preise verschiedener Anbieter vergleichen. Die Fachliteratur hilft dem Anfänger nur begrenzt: Drehbuch-Gurus wie Syd Field, Robert McKee, Chris­topher Keane oder Christopher Vogler haben Generationen von Lesern und Filmstudenten dazu gebracht, sich an der Drei-Akt-Struktur, dem Inciting Incident und den Plot Points entlangzuhangeln oder auch sich auf eine Hero’s Journey zu begeben. „Die Studenten müssen die Techniken natürlich kennen und auch internalisiert haben“, sagt Jochen Brunow. „Aber dann sollen sie sich auch unabhängig von den Manuals machen. Sonst bleibt das Drehbuchschreiben so etwas wie Malen nach Zahlen.“

Kusine (15) zu Drehbuchautorin: „Was macht man denn so
beim Drehbuchschreiben? Schreibt man da Romane ab?“

Ob das Drehbuchschreiben nun ein Handwerk, eine Dienstleistung oder Kunst ist, daran scheiden sich die Geister. Kirsten Harder: „Von allem etwas!“ Jochen Brunow bleibt standfest: „Ich halte mich für einen Künstler, und ich möchte auch Künstler ausbilden. Kunstgewerbe zu machen, ist nicht etwas so Tolles für einen Drehbuchautor.“ An der dffb lernen dann die zehn Studenten jeden Jahrgangs gemeinsam und fachübergreifend mit den Regie-, Produktions- und Kamerastudenten und arbeiten sofort an kleinen Filmen.
Diesen Luxus kann keine private Schule bieten – aber nicht jeder Drehbuchautor in spe hat wie­derum Lust, Geld oder Zeit, zwei bis vier Jahre auf einer Uni oder Akademie zu verbringen, zumal viele Drehbuchschüler älter sind als Durchschnittsstudenten. „Es hilft, wenn man schon was erlebt hat“, so Jochen Brunow. Kirsten Harder hält auch nach den Lehrgängen noch Kontakt zu ihren ehemaligen Kursteilnehmern und weiß: „Bei vielen rutscht das Schreiben nach einer Weile wieder von Priorität eins auf Priorität vier bis fünf.“

Produzent zu Autorin:

„Mensch, Sie müssen brennen
für Ihren Stoff!“ Autorin:
„Ich brenne doch.“

Drehbuch fertig – und was nun? Wie präsentiere ich meine Ideen, und wer soll das alles lesen? Das Film- und Fernsehgeschäft scheint für viele Neulinge eine geschlossene Gesellschaft zu sein. Das sogenannte Pitching, also die mündliche Vorstellung des Drehbuchprojekts am Markt, ist mittlerweile fester Bestandteil der Ausbildung an Filmakademien. „Diesen Teil der Ausbildung mögen die Studenten am wenigsten. Viele haben Angst zu versagen“, weiß Kirsten Harder. Die Studenten der dffb werden schon während der Ausbildung von der Branche wahrgenommen – bewähren müssen sie sich allerdings allein. „Das Diplom hat seine Bedeutung. Aber die beiden Bücher, die sie während des Studiums schreiben, sind ihre Visitenkarte“, so Jochen Brunow. Schwieriger ist es für Quereinsteiger ohne Kontakte zum Business. Da hilft nur, Informationen über Produktionsfirmen und ihre Spezialisierungen zu sammeln und kritisch zu prüfen, wohin das eigene Projekt passen könnte, bevor man sich gezielt einen Ansprechpartner sucht. Auch über den Markt sollte man sich informieren: Was läuft überhaupt im Kino und im Fernsehen, und was läuft überhaupt nicht? Was der hoffnungsvolle Drehbuchautor nicht machen sollte: ein Buch fertig schreiben und dann wahllos an Produktionsfirmen oder gar Fernseh­anstalten schicken. Das landet garantiert im Papierkorb.

Text: Natalia Geb

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