• Kultur
  • Tut dir dein ?Tattoo leid?

Kultur

Tut dir dein ?Tattoo leid?

Tut dir dein ?Tattoo leid?

„Angefangen hat das Ganze mit einer Wette unter Kumpels“, sagt Kolja, ein tätowierter Modelscout von VIVA Models: Wer bringt in kürzester Zeit die meisten Tattoos auf seinem Arm unter? Auf Koljas Arm landeten auch einige Motive, die er sich heute nicht mehr stechen lassen würde. Für ihn aber nicht weiter schlimm: „Sie gehören jetzt halt zu mir.“
In der Bundesrepublik tragen derzeit etwa acht Millionen Menschen ein oder mehrere Tattoos. Einige von ihnen sind gar als wandelnde Kunstwerke unterwegs. Etwa das in Berlin lebende Model Lexi Hell, deren Körper von Kopf bis Fuß mit bunten Figuren, Ornamenten und Symbolen geschmückt ist und die sowohl für Plakatwerbung als auch für den Laufsteg gebucht wird.
Für die meisten Tätowierten jedoch kommt eine Ganzkörpertätowierung nicht infrage. Stattdessen stehen einzelne Motive im Mittelpunkt. Die besonders stören, wenn sie misslungen oder aus der Mode sind. Trugen etwa die Pioniere der Arschgeweihe in den 1990er-Jahren ihr damals noch exotisches Motiv mit Stolz, werden sie inzwischen am Strand wegen ihres überholten „Schlampenstempels“ belächelt.
Auch Daniel Krause alias Tattoo-Krause, einer der bekanntesten Tätowierer Berlins, war nicht immer mit allen seinen Tattoos glücklich. Ein in Auftrag gegebener Drache beispielsweise, den er sich in seinen Tattoo-Anfangszeiten hatte stechen lassen, entpuppte sich bei näherer Betrachtung eher als Wurm. Inzwischen hat Daniel Krause das Missgeschick covern, also mit einem neuen Motiv überdecken lassen. „Goodbye Arschgeweih“ heißt denn auch sein neuestes Buch, das „von der Kunst“ handelt, „beschissene ­Tätowierungen zu vermeiden“.
Häufig macht aber auch Spontanität einen Strich durch die Rechnung. Denn gute Tätowierer sind oft ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht. Wer sich in der Eile für einen weniger ausgewiesenen Experten entscheidet – oder das Tattoo gar von „guten Freunden“ mal schnell in der Küche stechen lässt –, wird selten das gewünschte Ergebnis erzielen. Vor allem für große Motive bedarf es der Geduld und eines Experten. Und zwar den richtigen. Ausgewiesene Experten sind in der Regel auf bestimmte Stile spezialisiert. Niki – er arbeitet im Tattoo­studio Berlin Ink – zaubert etwa besonders aufwendige Maori-Tattoos, das sind Ethno­-Motive, wie sie von den Ureinwohnern Neuseelands kultiviert wurden. Und wie man sie derzeit auch in der Ausstellung mit Maori-Porträts von Gottfried Lindauer in der Alten Nationalgalerie bestaunen kann. Jukan vom Salon Stilbruch dagegen hat sich vor allem auf Comic-Motive spezialisiert, während Adam von Craftz Berlin ein sogenannter Lettering- und Calligraphy-Könner ist, ein Experte in Sachen Schriftzüge.
Doch was, wenn einem das Fantasy-Motiv, für das man einst viel Geld bezahlt hat, plötzlich altmodisch vorkommt? Der Dermatologe Prof. Dr. Christian Raulin von der Universität Heidelberg ist Spezialist auf dem Gebiet Laserbehandlungen, eine Methode, mit der sich Tattoos wieder entfernen lassen. „Schwarz und Rot gehen am besten raus“, sagt er. „Alles andere hinterlässt Spuren.“ Doch nicht nur Farbe kann zurückbleiben. Wird der Laser zu stark angewendet, können unterpigmentierte Stellen entstehen, eine Art Negativ-Tattoo. Dies ist jedoch nicht mit White-Ink-Tattoos zu verwechseln, ein Trend, der vor circa einem Jahr aufkam und je nach eigener Hautfarbe sehr dezent bis auffällig daherkommt. Der heißeste Trend der 1990er-Jahre übrigens, das Arsch­geweih, soll laut der Prognose von Insidern wieder auf dem Vormarsch sein. Wie gut, dass dies auch auf bauch­freie Tops zutrifft. Schöne Aussichten für das Frühjahr 2015 also?

Text: Nicole König

Foto: Kerstin Brümmer

Mehr über Cookies erfahren