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Kommentar

„Über­raschung am Kulturforum“ von Iris Braun

Als Jacques Herzog, Teil des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron, letztens in Berlin gefragt wurde, was die größten Hindernisse für gute Architektur seien, sagte der Entwerfer von Elbphilharmonie, Allianz Arena und Tate Modern nicht, wie eigentlich erwartet, ignorante Bauherren oder unfähige Behörden.

Iris Braun

Nein, er machte „Banalität und Nachlässigkeit“ als deren Todfeinde aus. Bis vor kurzem konnte man sagen, ok, er hat ja auch noch nicht in Berlin gebaut, das könnte seine Meinung ändern. Aber genau das tut er nun: Neben dem Tacheles-Umbau ist sein Büro jetzt als Wettbewerbsgewinner verantwortlich für das Museum der Moderne, diesem mit 200 Millionen Bundesmitteln finanzierten Neubau, der einerseits Kunst aufnehmen und zeigen, und andererseits endlich eine Lösung für die Brache zwischen der Neuen Nationalgalerie und der Philharmonie finden soll, beides dominante Bauten der Moderne. Und die überraschende  Lösung von Herzog & de Meuron, eine große, zurückhaltende Backsteinhalle, deren lichtes Inneres auch als Passage zwischen den anderen Gebäuden fungiert, könnte tatsächlich diese genial schlichte und trotzdem verbindende Geste sein, die man diesem Ort so wünscht. Banal ist dieser Entwurf ganz und gar nicht. Und Nachlässigkeiten seitens der Berliner Behörden wird der kampferprobte Jacques Herzog bei diesem Prestigeprojekt der Kulturstaatsministerin auch abwehren können.

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