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Unter den Linden soll Flaniermeile werden

Die Verkehrsbeunruhigung: Der rot-rot-grüne Senat will Unter den Linden zur Flaniermeile machen. Die Idee ist nicht so interessant, wie sie klingt

Foto: VollwertBIT - Eigenes Werk, Wikimedia Commons, CC 3.0
Foto: VollwertBIT – Eigenes Werk, Wikimedia Commons, CC 3.0

Herrlich, wie sie jetzt alle freidrehen. Der künftige Senat will den Boulevard Unter den Linden für Autos dichtmachen. Zumindest für Privatautos. Für manche muss es eine schreckliche Vorstellung sein, ab 2019 nicht mehr im Stau mit Blick aufs Brandenburger Tor stehen zu dürfen. Doch wer einigermaßen bei Trost ist, umfährt den Boulevard heute schon weiträumig. Irgendwas ist da ja immer. Baustellen wie die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 zum Beispiel. Stop and go.

Bei der CDU üben sie jetzt schon mal für die künftige Opposition. Die „verkehrsideologische Umerziehung“ von SPD, Linke und Grüne erreiche „das Herz Berlins“, keilten der Fraktionschef Florian Graf und der verkehrspolitische Sprecher Oliver Friederici in Richtung Koalitionsverhandlungen. Und den rhetorischen Gruselclown vom baldigen totalen Verkehrschaos in Mitte kennt man noch von der Debatte um die Schließung des Brandenburger Tors für den Verkehr im Jahre 2002, damals übrigens durch den rot-roten Senat. Wobei besagtes Chaos seinerzeit trotz der Warnungen von CDU und ADFC unfassbarerweise einfach ausblieb.

Schon wegen der hysterischen Proteste möchte man diese Flaniermeile Unter den Linden per se einfach gut finden. Wenn es so einfach wäre.
Bei Rot-Rot-Grün machen sie es nicht unter einem „tollen Prestigeobjekt für Berlin“ (Antje Kapek, Grüne). Wir sehen dem Flaniervergnügen in der Fußgängerzone allerdings mit deutlich weniger Vorfreude als Frau Kapek entgegen. Taxis und Busse dürfen nämlich weiter Unter den Linden durchfahren. Das gibt sicher unterhaltsame Situationen, wenn die bekanntermaßen diskursfreudigen Berliner Taxi- und Busfahrer sich mit orientierungsarmen Touristen, die ihnen vor die Motorhabe spazieren, über die Straßennutzung verständigen. Verkehrsberuhigung sieht anders aus.
Aber vielleicht fällt dem neuen Senat ja noch ein tolleres Prestigeobjekt ein. Eines, das alte Probleme löst, anstatt neue zu schaffen. Denn Probleme hat Berlin nun wahrlich genug.

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