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Ferienprogramm für Kinder

FamilieKicken im Fußballverein, Töpfern in Jugendkunstschulen oder Homepages erstellen in Kindermedienzentren: Berlin ist eine Stadt, die auch den Jüngsten unglaublich viel bietet. Denn ob Sportvereine, Kinder- und Jugendzentren oder private Anbieter wie Kindertanz- oder Kinderschauspielschulen: In der Hauptstadt wird eine Menge getan, damit beim Nachwuchs keine Langeweile aufkommt und er seine aufkeimenden Interessen entwickeln kann. Theoretisch. In der Praxis aber ist das so eine Sache. Denn spätestens seit dem Pisa-Schock, seit in politischen Panikaktionen Grundschulen zu Ganztagsschulen oder Gymnasien zu hyperventilierenden Hochleistungslehranstalten umgeformt wurden, die innerhalb minimaler Zeit ein Maximum an Unterrichtsstoff in die Kinder trichtern sollen, sieht es mit der Freizeit der jüngsten Berliner nicht mehr zum Besten aus: Wenn sie sich spät am Nachmittag müde von der Schule nach Hause schleppen, warten noch die Hausaufgaben oder gar der Nachhilfeunterricht auf sie. Jede zusätzliche Verabredung, das Akrobatik-Training im Kinderzirkus oder der Schwimmkurs im städtischen Vereinsbad, gerät schon nach kurzer Zeit zum Familienstresserzeugenden To-do-Punkt in einer nicht enden wollenden Pflichtliste zwischen Stationen beim Kieferorthopäden und den unerlässlichen Impfterminen.
Wären da nicht die Ferien, allen voran die Sommerferien. Noch vor wenigen Jahren besonders von berufstätigen Eltern sehr gefürchtet – wer hat schon sechs Wochen am Stück frei und kann sich die ganze Zeit um seine Kinder kümmern? – vollzieht sich in Berlin seit einigen Jahren ein Wandel: Weil sich die Anzahl innerstädtischer Feriencamps rasant vergrößert hat, lautet die Frage nicht mehr „Wer kümmert sich bloß um die Kinder, wenn wir arbeiten?“ Stattdessen entsteht zunehmend eher die Qual der richtigen Wahl: Möchten die Kinder eine Woche lang ihre artistischen Fähigkeiten im Kinderzirkus erproben? Ein Theaterstück erarbeiten? Oder lieber Klettern am Kunstberg erlernen?
Denn geht es um die in Berlin angebotenen Ferienprogramme, dann gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Das Schöne dabei: Die Kinder können, mehrere Tage zusammen hängend, endlich mal bei einer Sache bleiben. Ausprobieren, wie es ist, als Nachwuchs-Drummer mit einer Band erst gemeinsam einen Song zu entwickeln und ihn dann auf CD aufzunehmen. Oder ein Pferd nicht nur für eine abgeschlossene Reitstunde zu satteln, sondern das Tier auch auf die Weide zu führen, seinen Stall auszumisten – und jede Menge Gleichgesinnte kennenzulernen, die als neue Freunde in spe perfekterweise in derselben Stadt wohnen.
„Viele der Kinder, die in den Sommerferien an unserem Ganztagsprogramm KänguruKids teilnehmen, wohnen zwar hier im Bezirk, kennen sich untereinander zunächst aber nicht oder kaum, weil sie unterschiedliche Schulen oder Klassen besuchen“, berichtet Kerstin Nagel, Mitarbeiterin beim Nachbarschaftsheim Schöneberg. Die Einrichtung ?betreibt nicht nur zahlreiche Jugendzentren oder Horte, sondern stellt seit rund fünf Jahren auch ein breit gefächertes Ferienprogramm auf die Beine. Dabei entwickelten sich unter den minderjährigen Teilnehmern über die positiven gemeinsamen Erlebnisse regelmäßig neue Freundschaften. „Auch zwischen jüngeren und älteren sowie alteingesessenen und Migrantenkindern“, vermerkt Kerstin Nagel zufrieden. Um diese Integration zu fördern, wird der Elternbeitrag an den Kosten mithilfe von Sponsoren bewusst niedrig gehalten. Kerstin Nagel: „Für eine Woche Ganztagsbetreuung zahlen die Eltern 20 Euro. Das können sich auch Arbeitslose leisten.“ Weil das Angebot von der „Filmwoche“ über die „Natur- und Technikwoche“ bis hin zur „Kunstwoche“ so spannend und anspruchsvoll ist, handelt es sich bei den KänguruKids jedoch keinesfalls um Armenurlaub für Ghetto-Kids. „Bei uns geht es quer durch alle soziale Schichten“, betont Kerstin Nagel.
Doch natürlich gibt es auch innerstädtische Feriencamps, die deutlich teurer sind als die KänguruKids-Wochen vom Nachbarschaftsheim Schöneberg. So nutzen kommerzielle Anbieter, wie private Sprach- oder Schauspielschulen, ihre in den Ferien frei werdenden Kapazitäten, um dann konzentriert Programme für solche Kinder anzubieten, die in ein neues Thema nicht nur hineinschnuppern, sondern dort auch schon erste Ergebnisse erzielen wollen. Das ist bei den „Privaten“ zwar nur zu Preisen möglich, die sich wirtschaftlich rechnen, die aber, beispielsweise mit 175 bis 275 Euro pro Woche für ein ganztägiges Englisch-Sprachcamp in der privaten International School Villa Amalienhof in Spandau, immer noch sehr viel günstiger sind als etwa eine Sprachreise ins Ausland.
Am Geld aber muss die innerstädtische Feriengestaltung für Kinder ohnehin nicht scheitern. Denn auch öffentlich finanzierte, der Allgemeinheit verpflichtete Einrichtungen wie Jugendclubs oder Bibliotheken, laufen in den Sommerferien zur Hochform auf. So bietet der Sportjugendclub Wildwuchs quasi für ein Taschengeld von 50 Euro pro Woche eine ganztägige Ausbildung zum Kanufahren an. Der Kinderbauernhof der ufaFabrik lädt Nachwuchs-Camper zum fünftägigen Zeltlager auf sein Gelände ein – für insgesamt schlappe 25 Euro. Und Büchereien wie die Egon-?Erwin-Kisch-Bibliothek oder die Bodo-Uhse-Bibliothek erwarten in den Sommerferien junge Leseratten zu kostenlosen Programmen wie „Eine Flaschenpost von einer fernen Insel“ oder „Rund um‘s Tier“. Alles Angebote übrigens, die einmal mehr beweisen, wie unverzichtbar diese Einrichtungen für das Leben von Berliner Kindern sind.
Text: Eva Apraku

Feriencamps in Berlin

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