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Veronika Veit in der Galerie upstairs berlin

VeronikaVeitsGleich am Eingang steht dieser kleine Mann und blickt versonnen aus dem Fenster. Eine Zehntelsekunde Irritation. Aber natürlich dreht er sich nicht um und grüßt, dieser wenig mehr als einen Meter große Mensch ist aus Papier, auch wenn er richtigen Stoff trägt und Haare auf dem Kopf. Veronika Veits Skulpturen wirken zuerst verblüffend lebensnah, bevor sie in ihrer leicht ironisierten Charakteristik wieder auf Abstand gehen. Das Eintreten in die skurrile Szenerie von kleinen Menschen, die wartend auf Bänken sitzen, herumstehen und etwas betrachten oder auch in einem kämpfenden Knäuel erstarrt am Boden kleben, lässt sofort Assoziationen zu Science-Fiction-Szenarien aufleben. Als wäre man mitten in die Geschichte des schottischen Pädagogen A.S. Neill hineingeraten, die 1971 als „Die Grüne Wolke“ auf Deutsch erschien, nachdem Neill auch außerhalb Englands mit seiner antiautoritären Erziehungsmethode Furore gemacht hatte. Wir kommen soeben aus dem Luftschiff und haben diese geheimnisvolle grüne Wolke unter uns gesehen, bevor wir, zurück auf der Erde, feststellen, dass alle Menschen zu Stein erstarrt sind. Das bedeutet, mit einem Mal auf sich allein gestellt zu sein, die eigenen Gewohnheiten und Theorien zu hinterfragen und inmitten dieser merkwürdig stummen Gesellschaft über das Kommunizieren nachzudenken.

Text: Constanze Suhr

tip-Bewertung
: Sehenswert

Veronika Veit: „Am Anschlag“
in der upstairs berlin, Zimmerstraße 90/91, Mitte,
Mi-Sa 11-18 Uhr, bis 31.10.

 

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