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Volker März in der Galerie Tammen

Prof-Beuys-und-seine-SchuelerEr war nicht als Vierzigjähriger an Tuberkulose gestorben, sondern wegen Antisemitismus
125-jährig hingerichtet worden. Mit seinem Alter Ego, dem menschgewordenen Affen
Rotpeter, ruderte Franz Kafka 1924 übers Meer und landete in Palästina. „Kafka
in Israel
ist eine Fiktion des Künstlers Volker März, der mit seinen skurrilen Tonfiguren diese absurde Reise mitten in der Stadt, am Strand von Tel Aviv, in der Wüste Negev oder an der Klagemauer in Szene setzte und daraus ein Buch und mehrere Ausstellungen zusammenstellte. Es wurde eine philosophische landeskundliche Studie aus der Perspektive eines nicht Dazugehörigen. Seine Beobachtungen lässt März an seiner Stelle mit authentischen und erdachten Zitaten des jüdischen Literaten kommentieren.

 

Kafka muss die Kritik mit dem Leben bezahlen, März kommt mit einigen Verweisen davon. Der Künstler bewegt sich unbefangen auf dem politischen Glatteis, ohne Berührungsangst. Es darf wehtun und auch mal politisch nicht korrekt zugehen. Seine skurrile Menagerie dieser winzigen Ton-Kafkas mit den großen roten Ohren bevölkert nun die Galerie Tammen. Nur mit Hose oder nackt, an den Wänden klebend, in seiner ganzen Winzigkeit auf dem Podest oder von der Decke baumelnd. Er befindet sich in Gesellschaft all der anderen merkwürdigen Zwitterwesen, die für Volker März so typisch sind. Mit gleichmütigem Gesichtsausdruck, doch immer irgendwie ziemlich komisch. Neben Franz Kafka finden sich Walter Benjamin, Hanna Ahrendt und so manche andere bekannte Figur der Politik und Kulturgeschichte in dem verschrobenen Ensemble wieder, das uns auf der Suche nach dem Sinn den Spiegel vorhält oder auch ein Fenster öffnet.

 

Text: Constanze Suhr

Abbildung: Volker März, Prof. Beuys und seine Schüler

tip-Bewertung: Sehenswert

Volker MärzSkulpturen, Zeichnungen„, Galerie Tammen, Friedrichstraße 210, Kreuzberg, Di-Sa 12-18 Uhr, bis 24.4.2010;
Volker März „Kafka in Israel“, Verlag für moderne Kunst Nürnberg, 2009

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