Festival

War or Peace im Gorki

Geschichte wird gemacht: Das Gorki Theater untersucht bei seinem Programm „War or Peace“ die „Crossroads of History 1918 / 2018“

Foto: Nadaz Gank

Mazlum Nergiz, die Kuratorin des „War or Peace“-Programms am Gorki Theater, interessiert sich bei ihrer Historien-Tiefenbohrung für die Querverbindungen zwischen dem ­Ersten Weltkrieg, der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, und der Gegenwart, den Brüchen und Verbindungslinien zwischen 1918 und 2018. Ausgerechnet mit einen Zitat von Benito ­Mussolini reißt sie den Horizont des mit Ende des Weltkriegs veränderten Europas auf: „Die ganze Welt erzittert. Im alten Europa verschwinden Menschen, brechen Systeme zusammen, kollabieren Institutionen.“ Wenn alte Gewissheiten und Ordnungssysteme unter dem Druck der Geschichte zerbröseln, entsteht ein Vakuum – Raum für neue Möglichkeiten und alte Ängste; Konflikte eskalieren oder suchen einen Ausweg in neuen, vielleicht nur illusionären Orientierungen.

100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs lädt das „War or Peace“-Festival einen Monat lang Theatermacher aus Deutschland, ­Georgien, Singapur, Tansania, Kroatien, Frankreich, ­Slowenien, Argentinien, Türkei, Bulgarien, Griechenland, Schweiz, Israel, Ukraine, Iran und Kurdistan ein, das Erbe dieses Konflikts zu ­befragen. Das französische „Le Birgit Ensemble“ untersucht in „Memories of Sarajevo“ die Belagerung der Stadt 1992 und das Versagen der EU. Die Berliner Dokumentar-Theater-Spezia­listen Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger betrachten in „Kultur verstehen“ den ­Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur, bei dem 1935 in Paris die antifaschistische Intelligenz, von Tretjakow bis Brecht, auf die heraufziehende europäische Katastrophe reagierte. Oliver Frljic zeigt ein Gastspiel seines Mladinsko Theatres, „Damned by the Traitor of this homeland!“ (Foto), eine wütende Auseinandersetzung mit Ideologien des Nationalismus und den Verbrechen des jugoslawischen Bürgerkriegs – der Versuch einer kollektiven Erinnerung.

Maxim Gorki Theater Am Festungsgraben 2, Mitte, 3. – 27.10.

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