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Visionär und Luftschlossbauer

Wenzel Hablik im Martin-Gropius-Bau

Architektur-Fantasien und expressionistische Utopien von Wenzel Hablik

Wenzel Hablik, Große bunte utopische Bauten,1922, © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe

Wer den Visionär der Moderne Wenzel Hablik noch nicht auf dem Schirm hat, sollte dies schleunigst nachholen. Der 1881 geborene Gesamtkunstwerker aus Böhmen lebte ab 1907 in Schleswig-Holstein. Sein aufregendes Werk zeigte er in der Berliner Secession und der Galerie „Der Sturm“. Nach über 100 Jahren kommt es dennoch erst jetzt zu einer umfassenden Soloschau in Berlin. Katrin Maibaum, Direktorin des Hablik-Museums in Itzehoe, hat sie mit 350 Objekten bestückt, die den experimentierfreudigen Universalkünstler in elf Räumen vorstellen. Der Mann, der nur 52 wurde, scheint Star Trek vorausgeahnt zu haben und die Skyline von Singapur. Seine „Expressionistischen Utopien“ sind abwechslungsreich und fantasievoll, denn der gelernte Tischler war auch technisch und architektonisch interessiert. Er sammelte Kristalle, entwarf Flugmaschinen und verband Kunst mit Handwerk. Als Mitglied des Deutschen Werkbundes entwarf er Möbel, Tapeten, Metallarbeiten und Schmuck. Die Ausstellung rekonstruiert sein 1923 intensiv farbig und geometrisch gestaltetes Speisezimmer aus seinem Haus in Itzehoe. Daneben beeindrucken expressive Gemälde, visionäre Zeichnungen, märchenhafte Architekturentwürfe. „Wo steht geschrieben, dass der Mensch ewig in ‚Ziegelkisten‘ zu wohnen hat“, meinte Hablik und schuf Luftschlösser auf Papier. Real fertigte er Werbegrafik, Gebrauchsgegenstände und Inneneinrichtungen. Man staunt, wie dieser erfinderische Geist das Schöne mit dem Praktischen verband und von einer besseren Gesellschaft träumte. Kleinarchitekturen aus Kristallen oder planetarische Keksdosen erinnern an Himmelskörper. Im Universum fand der Künstler Inspiration, malte den „Sternhimmel“ und das Meer. Fasziniert von den Elementen sah er die Natur als höchste schöpferische Kraft und ließ sich von ihr für seine Formensprache – aus Jugendstil, Expressionismus und Bauhaus – anregen. Spannend noch für heutige Architekten, Designer und alle anderen Besucher gleichermaßen.

Martin-Gropius-Bau Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg, Mi–Mo 10–19 Uhr, bis 14.1.2018

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