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Widerstand gegen die Bebauungspläne des Spreeufers

Umkämpftes Ufer

Das Areal zwischen Jannowitz- und Oberbaumbrücke ist Minenfeld und Utopia. Die Wasserlagen hier sind so begehrt wie umkämpft, wofür das Label „Mediaspree“ Sy­nonym wurde. Auch bekannt als Investorengroßprojekt aus den 90ern, das für seine Gegner vor allem den Ausverkauf der Stadt an Luxusloftbewohner und Mehrzweckhallenbetreiber bedeutet. Der dagegen gerichtete Bürger­entscheid „Spreeufer für Alle“ fand 2008 eine Zustimmung von 87 Prozent. Mittlerweile hat man das möchtegernhippe Entwicklungskonzept „Mediaspree“ durch das nüchternere „Leitbild Spree“ ersetzt. Außerdem trifft man sich im Forum Stadtspree zum Dialog mit Mietern und Bezirk, wo aktuell über den Verkauf der Eisfabrik durch die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft an einen möglichst kulturaffinen Bieter verhandelt wird.
Aber Brennpunkte wie die East Side Gallery bieten noch genug Konfliktstoff. Hier baut der Gernegroß Maik Uwe Hinkel das Hochhaus „Living Levels“, daneben will der israelische Investor Alon Mekel einen 120 Meter langen Wohn- und Hotelriegel hinklotzen. Gestritten wird weiter über die Größe der erlaubten Zugangslücke in der Mauer. Der Bezirk blockt und würde das Grundstück am liebsten zurückkaufen. Wofür aber – na klar – das Geld fehlt. Immerhin: So langsam dämmert es den Berliner Verantwortlichen, dass nicht jede Brache an den Meistbietenden verscherbelt werden muss und die Clubkultur fürs Ufer nicht weniger wertvoll ist als das nächste Boutique-Hotel. Während das Kiki Blofeld schon 2011 seinen Platz an der Spree räumen musste (neue Location: Oberschöneweide), wurde fürs YAAM das 8?000-Quadratmeter-Areal an der Schillingbrücke vom Liegenschaftsfonds zurückerworben, auf dem zuvor das Magdalena beheimatet war. Das wiederum zieht weiter zur Elsenbrücke.
Musterbeispiel fürs neue Denken ist aber das Holzmarktgelände. Das gehört einem Schweizer Investor. Und wurde überraschend den ehemaligen Bar-25-Betreibern zur Erbbaupacht überlassen. Wo ursprünglich scheußliche 80-Meter-Türme („Spree Urban“) in den Himmel ragen sollten, wächst jetzt ein ziemlich visionäres Kreativdorf heran. Inklusive Gründerwohnheim und Fischzucht auf dem Dach.

Text: Patrick Wildermann

Foto: eastern-comfort.com

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