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Winter in Maine von Gerard Donovan

Donovan„Es fiel mir schwer, die erste Schaufel Erde auf sein Gesicht zu werfen, auf ihn, der so oft hinter den von mir geworfenen Spielsachen hergelaufen war, der zitternd auf dem Fußboden gelegen hatte.“ Das ist das Begräbnis des besten Freundes, eines Hundes. Der Hund wurde im Wald erschossen. So wie sein Besitzer unter der Ungewissheit leidet, den Mörder nicht zu kennen, so möchte man auch als Leser erfahren, welcher Unmensch dem Einsiedler seinen einzigen Gefährten genommen hat. Julius Winsom verlässt seine Hütte, nimmt sein Gewehr und jagt Männer im Wald. Jeden, der ihm vor die Flinte kommt. Dem Einsiedler in Gerard Donovans beeindruckendem Roman „Winter in Maine“ gehört unsere Sympathie, obwohl er selbst zum Mörder wird. Das ist das Erschre­ckende. Das Gute ist, dass er über seinen Rachefeldzug nachzudenken beginnt. Er fürchtet um seinen Platz in der Welt, er hat Angst, sein Zuhause bald für immer verlassen zu müssen. „Für den Wald war ich eine Wunde, die auf einer Lichtung lebte, eine Entzündung.“        

   
Text: Sassan Niasseri
 
Gerard Donovan „Winter in Maine“,
Luchterhand Literaturverlag, 208 Seiten, 17,95 Ђ

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