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Kommentar

„Wippe“ von Erik Heier

In der Finanzwelt ist es normalerweise das Ziel, wenig Geld zu investieren, um damit viel Geld zu verdienen. In Berlin dagegen gibt man viel Geld aus, um noch mehr Geld zu versenken

Erik Heier

Hier ist es Tradition, auch die desaströsten, peinlichsten oder unbeliebtesten Projekte zuende zu bringen, so lange nur in einer möglichst frühen Phase hinreichend Haushaltsmittel verbrannt wurden. Berlins Version von „Too big to fail“.
Der BER-Neubau bricht in dieser Rubrik seit Jahren alle Rekorde. Aber auch der in den Koalitionsverhandlungen geopferte Neubau von 4.000 Wohnungen auf der Pankower Elisabeth-Aue wird nun doch nicht ganz beerdigt. Die zuständige Senatsverwaltung hat nämlich für „Untersuchungen“ schon eine Dreiviertelmillion Euro verballert. Auch das Einheitsdenkmal auf dem Sockel des einstigen Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf dem Schlossplatz Mitte, das bereits jetzt (wo noch keine einzige Maurerkeller geschwungen ist) eine unfassbare Pannengeschichte vorweist (inklusive obligatorischer Kostensteigerung von 10 auf 15 Millionen Euro) schien längst gekippt, soll aber nun auch deshalb gebaut werden, weil die Planung viel Geld gekostet hat. So kommt die Einheitswippe an einen unsinnigen Ort (der Platz hat mit der DDR-Revolution nichts zu tun), aber dafür mit kaiserlichen Kolonnaden als Nachbarn. Für deren Rekonstruktion sind 18 Millionen Euro vorgesehen.
Es wird aussehen wie eine Stadtplanung unter Drogen. Wir werden sicher noch viel Freude daran haben. Berlin ist eben Berlin.

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