• Kultur
  • Woche des Grundeinkommens

Kultur

Woche des Grundeinkommens

GrundeinkommenGeld für alle – ohne Einschränkung. „Als ich zum ersten Mal vom Grundeinkommen hörte, war ich sofort fasziniert von der Idee“, erzählt Stephanie Burck. Sie saß in der Urania und hörte einem Vortrag des Drogeriekettenbesitzers Götz Werner zu. „Spontan entschieden sich mehrere Anwesende, eine Bürgerinitiative zu gründen, um die Idee publik zu machen“, erinnert sich Burck. Das war 2006. Heute arbeitet sie im Wahlteam von Ralph Boes. Er stellt sich in Berlin-Mitte als parteiloser Direktkandidat zur Wahl. Sein Thema: das bedingungslose Grund­einkommen. Und er ist nicht alleine. In zahlreichen Wahlkreisen kämpfen Anhänger für diese neue Sicht auf Arbeit und Einkommen. Neben Parteilosen gibt es auch solche, die sich bei den Linken, den Grünen oder sogar der CDU für das Grundeinkommen stark machen. Knapp 90 Bewerber in über 60 Wahlkreisen wollen sich für die Idee wählen lassen.

Kerngedanke des Grundeinkommens ist die bedingungslose finanzielle Absicherung jedes Einzelnen mit rund 1000 Euro. Da es in einer produktionsreichen Gesellschaft wie Deutschland keine Vollbeschäftigung mehr geben wird, muss die Frage nach der gängigen Leistungsmaxime „Geld für Arbeit“ gestellt werden. Denn Wirtschaftswachstum bedeutet nicht automatisch, dass mehr Arbeitsplätze entstehen. Die Verfechter des Grundeinkommens wie der Wirtschaftsphilosoph Erich Kitzmüller rechnen vor, dass heute nur noch 41 Prozent der Bürger erwerbstätig sind, alle anderen seien von sogenannten Transferleistungen wie Arbeitslosengeld oder Hartz IV abhängig. Die Kritik an diesem Wirtschaftsmodell ist entsprechend laut – schließlich unterwandert es das gängige Leistungsprinzip. Warum in eine gute Ausbildung investieren, wenn man so viel Geld auch als Sofa-Hocker bekommt. Warum überhaupt arbeiten und sich weiterbilden? Die durchaus gutsituierten bis wohlhabenden Fürsprecher des Grundeinkommens berufen sich auf Studien und Untersuchungen, bei denen nur eine Gruppe, vor diese Frage gestellt, auf Lohnarbeit verzichtete – es waren Mütter mit kleinen Kindern. Statt über Dritte zu reden, kann man sich selbst fragen, ob man das Arbeiten aufgibt, wenn man nicht mehr für die Miete, Kranken- und Rentenversicherung aufkommen muss.
Tatsächlich gibt es schon heute bedingungsloses Einkommen – etwa das Kindergeld, das alle Eltern unabhängig von ihrer Steuerklasse und ihren Einkünften bekommen. Die Diskussion über Sinn und Nutzen dieses Wirtschaftsmodells hat gerade erst begonnen. Wer sich daran beteiligen möchte, kann das während der Woche des Grundeinkommens Mitte September tun. Oder eine der zahlreichen Veranstaltungen mit Ralph Boes und Stephanie Burck von der Bundesagentur für Einkommen besuchen.

Text: Britta Geithe
Foto: Stefan Boness


Woche des Grundeinkommens
Mo 14.9. bis So 20.9.
www.woche-des-grundeinkommens.eu

So 20.9., ab 12 Uhr königliche Abschlussparty mit der Band GABÜ und weiteren kreativen Unterstützern der (Krönungs-)Welle des Wandels, www.kroenungswelle.net

Mo 21.9., 19.30 Uhr „Jeder Mensch ein König – Bedingungsloses Grundeinkommen und direkte Bürgerpolitik“, Tacheles, Galerie, Oranienburger Str. 54-56a, Mitte

www.fuer-grundeinkommen.de

Mehr über Cookies erfahren