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Woyzeck im DT-Kammerspiele

WoyzeckRobert Wilsons Musicals mit dem Soundtrack von Tom Waits oder Lou Reed, Herbert Grönemeyer oder Rufus Wainwright sind spätestens seit seiner „Freischütz“-Adaption „Black Rider“ von 1990 ein eingeführtes Markenzeichen, perfekt durchdesignt, klinisch rein und ziemlich überraschungsfrei. Obwohl die junge Regisseurin Jorinde Dröse ein ganz anderes, verglichen mit Wilsons Marsmenschen-Kunst eher altmodisch psychologisches Theater macht, inszeniert sie derzeit ein Wilson-Musical nach dem anderen. Im April hatte in Leipzig ihr „Black Rider“ Premiere, jetzt brachte sie in den DT-Kammerspielen Wilsons Fassung des „Woyzeck“ mit der Musik von Tom Waits raus.
Kann der Versuch, einen eigenen „Black Rider“ in einer ganz anderen Ästhetik zu zeigen, noch reizvoll sein, wirkt die Entscheidung, statt Büchners „Woyzeck“ Wilsons Fassung zu inszenieren, ohne seiner durchkonstruierten Kühle eine eigene ausgeformte Ästhetik entgegensetzen zu können, ein wenig hilflos – so, als müs­se sie sich bei Wilson bedienen, weil ihr selbst zu Büchners Stück nichts einfällt. So ist dann auch das Ergebnis.

Dröse versetzt das Stück vom halb wahnsinnigen Soldaten Woyzeck ins Vaudeville, ein Einfall, der nicht all zu lange trägt, das Stück banalisiert und zum netten, harmlosen Entertainment verflacht. Zu Beginn der Vorstellung kündet ein Jahrmarktsausrufer vor geschlossenem roten Vorhang mun­ter grimassierend von den Sensationen, die das Publikum erwarten. Als sich der Vorhang öffnet, gibt er den Blick frei auf eine am Rand ansteigende Brettlbühne (Bühne und Kostüme: Susanne Schuboth), auf der die Figuren immer wieder ausgiebig im Kreis rennen dürfen, was vermutlich etwas zu bedeuten hat. Eine kleine Band liefert den rumpeligen Tom-Waits-Zirkus- Soundtrack, aber das bleibt so zäh wie das Spiel der Darsteller. Moritz Grove macht aus Woyzeck einen gehetzten jungen Mann, ohne zu den Wahnvorstellungen der Figur vordringen zu können. Maren Eggert liefert ihre Marie routiniert ab, ohne dass eine irgendwie interessante Figur entstehen würde.

Einzig dem fetten, schwitzenden, schmatzenden, sich gerne entblößenden und auf dem Boden wälzenden Vollkaracho-Schauspieler Christoph Franken als gegen den Typ besetztem Tambourmayor sieht man gespannt zu. Der Rest ist ein oberflächliches Theater der harmlosen Einfälle, das sich vor dem Stück drückt und niemandem zu nahe treten will.

Text: Peter Laudenbach
Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Uninteressant

Woyzeck
im DT-Kammerspiele, Schumannstraße, Mitte, 15.10., 6., 8., 24.11., 20 Uhr

Weitere Premieren in Berlin:

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