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„Wutrede“ von Erik Heier

Erik Heier
Das hätten wir jetzt nicht gedacht. Neulich gaben die SPD- und die CDU-Fraktion des Abgeordnetenhauses doch tatsächlich eine gemeinsame Presseerklärung heraus. Immerhin hatte ein Tag zuvor der SPD-Chef Michael Müller im Plenum gegen die christdemokratischen Senatoren in der Flüchtlingskrise schwungvoll den Regierenden Wutbürgermeister gegeben. Bei der CDU mussten sie hinterher wahrscheinlich erst mal nachgucken, ob da nicht irgendwas Größeres bei der Koalition zu Bruch gegangen ist. Die soll ja angeblich noch ein knappes Jahr halten, was nach Müllers Brandrede vor allem für den Sozialsenator Mario Czaja keine schöne Vorstellung sein kann. Immerhin scheinen aber Ülker Radziwill (SPD) und Matthias Brauner (CDU) noch miteinander zu reden. Bei besagter gemeinsamer Pressemitteilung ging es nämlich um den Untersuchungsausschuss zur Staatsoper-Sanierung mit Kostensteigerungen von ursprünglich 115 Millionen auf rund 400 Millionen Euro. Für den früheren Kultursenator Thomas Flierl (Linke), der zum Ausschuss geladen war, lag die Schuld dafür bei Klaus Wowereit. Der habe nach seiner Wiederwahl 2011 die Planung über den Haufen geworfen, weil er der Staatsoper etwas Gutes tun wollte. Ganz nach der heiteren Berliner Devise: Koste es, was es wolle. Die großkoalitionäre Schreibarbeit ist deshalb so bemerkenswert, weil es Radziwill und Brauner glückte, Wowereit in ihrer Pressemitteilung zu Flierls Aussagen über Wowereit nicht ein einziges Mal zu erwähnen. So viel Einigkeit hätten wir SPD und CDU nach Müllers Wutrede wirklich nicht mehr zugetraut.

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