Kultur

Zukunft als Schulfach

Zukunft als Schulfach

Freitagmittag: Essenszeit in der Quinoa-Schule. Mit hochgekrempelten Ärmeln steht Christian Schwenke an der Essens­ausgabe. Er ist der Schulleiter. Dass der Direktor in der Mensa mithilft, ist nur eines von vielen Dingen, die in dieser Ganztagsschule ungewöhnlich sind. Vor einem Monat eröffnete die Sekundarschule im Wedding – eine freie Schule für Siebt- bis Zehntklässler, die sich durch Spender und Sponsoren finanziert und in der nur die­jenigen Schulgeld zahlen, die sich das auch leisten können. Quinoa richtet sich an Kinder aus bildungs­fernen Familien. Die meis­ten Jugendlichen im Wedding wachsen in Hartz-IV-Haushalten auf; für viele besteht kaum Hoffnung auf einen Bildungs­aufstieg. „Wir haben gesehen, dass in diesen Kindern Potenzial steckt, das in normalen Schulen nicht gefördert wird“, erklärt Christian Schwenke. Was genau läuft hier anders? „Die Lehrer sind cool, die Schüler sind cool und unser Stundenplan ist anders“ – so beschreibt es ein Siebt­klässler. An der Quinoa-Schule gibt es Fächer namens Zukunft und Interkulturelles Lernen. Hier setzen sich die Schüler damit auseinander, wer sie sind und wer sie sein wollen. Zudem spielt der soziale Aspekt eine wichtige Rolle in der Quinoa-Schule. Dazu gehört, dass die Pause aktiv von den Lehrern mitgestaltet wird und dass die Kinder gemeinsam zu Mittag essen. Es geht nicht um Belehrungen von oben, sondern um eine schulische Begleitung mit Respekt vor individuellen Stärken und Schwächen.
Das Essen, das überwiegend fleisch­frei ist, scheint an diesem Freitag entgegen dem anfänglichen Misstrauen der Schüler zu schmecken. Es gibt Gemüse­suppe mit Back­erbsen: „Die schmecken wie Chips!“

Text: Rebekka Wiese

Foto: Martin Arning

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