Kultur

Zum Tod von Qpferdach

Qpfer

Qpfer ist tot. Qpfer, Qpferdach, bürgerlich Hans-Joachim Wacker. Die Nachricht kam, wie neuerdings eigentlich fast alles andere auch, natürlich über Facebook. Der alte tip-Chef Karl Hermann hat sie gepostet. Qpferdach, der manchmal bärbeißige, immer aufrechte, gerne verspielte, lustvolle, begeisterungsfähige Redakteur, der im Winter in seiner Lederjacke, über der er eine neongelbe Warnweste trug, mit dem Fahrrad die Galerien abklapperte und im Sommer, in alter Hippietradition, mit Vorliebe barfuss durchs Büro lief. Ein Original. Ich weiß gar nicht wie lange Qpfer beim tip war, als ich 2006 erstmals in der Redaktion auftauchte, damals als schüchterner Anwärter auf das ausgeschriebene Volontariat, gehörte er bereits zum Inventar. Man könnte sagen, er war eine Institution und zu der Zeit sogar Chef des Ganzen. Karl Hermann ist kurz zuvor gegangen, ein neuer Chefredakteur war in jenem Februar noch nicht gefunden, es sollte ein paar Wochen später Heiko Zwirner werden. Qpfer leitete als Vize in der Zwischenzeit die tip-Redaktion und er stellte mich ein. Die großen Zeiten von Qpfer habe ich also nicht erlebt, aber ich hörte die alten Heldengeschichten, als in den Redaktionsräumen noch die Luft vor Zigarettenqualm stand und bei Konferenzen ganz selbstverständlich Bier getrunken wurde und nach Druckschluss die Tip-ler die Kneipen in der Potsdamer Straße unsicher machten. Am liebsten in Puschel’s Pub. Das kannte ich nur von Erzählungen, als ich Qpfer kennen lernte war er bereits Nichtraucher und begeisterter Fahrradfahrer. Rennradfahrer sogar und er liebte Snooker, diese seltsame, hoch komplizierte Billiard-Variante, die zur später Stunde im Sportfernsehen übertragen wird. Auch ich liebte Snooker, als Zuschauer, Qpfer spielte aber auch selbst, meist mit dem damaligen Textchef Ingo Schütte, und hin und wieder nahm er mich mit. Wir spielten dann dieses schwierige Spiel, ich verlor immer, aber ich hörte Qpfers Geschichten. Von seiner Zeit bei der taz, bei der er in den Gründerjahren arbeitete, von seinen Kindern und Enkeln, auf die er so stolz war, von seinen Fahrradreisen nach Frankreich und anderswo und vom Ruhrgebiet, wo er aufgewachsen ist und wo er 1966 in Essen bei der Bravo-Blitztournee die Beatles live spielen sah. Er war der erste Mensch, dem ich je begegnet bin, der die Beatles sah! Nicht nur deswegen wird er mir in Erinnerung bleiben, ich verdanke ihm viel. Nachdem er 2009 in den Ruhestand ging, brach unser Kontakt langsam ab, ich sah ihn nur selten, aber neulich dachte ich, es wäre mal wieder an der Zeit, eine Partie Snooker zu verlieren. Das wird nicht mehr gehen. Qpfer starb auf Mallorca, während einer Fahrradtour. Es heißt, es wäre ein Hirnschlag. Er starb wie ein echter Cowboy, der er war, er starb auf dem Sattel. Mach’s gut Qpfer!

Jacek Slaski, am 18. April 2015

Die Beerdigung ist am Montag, 11. Mai um 13 Uhr, auf dem III. Städtischen Friedhof Stubenrauchstraße, Stubenrauchstraße 34-45, Friedenau.

Foto: Jan Sobottka

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