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Themenausstellung

„Zwischen Räumen“ im Schloss Biesdorf

Raumordnung: Im Schloss Biesdorf hinterfragt die aktuelle Ausstellung den urbanen Raum – klug konzeptioniert und einen Ausflug wert

Gordon Matta Clark: Bronx Floors: Threshole, 1972-1973 Courtesy of the Estate of Gordon Matta-Clark & Galerie Thomas Schulte

Gordon Matta-Clark war kein Freund der Idylle. Im New York der 1970er-Jahre zerschnitt der studierte Architekt Fassaden, teilte Häuser und schlug Löcher in schrundige Abbruchhäuser. Sein bekanntestes Werk setzte er aber in Paris um, für „Conical Intersect“ fräste er große, spiralförmige Schnitte in ein altes Haus, das für den Neubau des Centre Pompidou mit abgerissen werden sollte. In dieser Arbeit steckt alles drin, was den Künstler umtrieb. Er intervenierte damit nicht nur denkbar spektakulär im urbanen Raum, er stellte auch als einer der ersten Künstler die Frage, wem dieser Raum gehört.
Fotografien seiner Werke hängen nun in ihrer ganzen schwarzweißen Wucht in Schloss Biesdorf, einer 1868 erbauten Türmchenvilla mit Park. Für dieses Ensemble könnte der Begriff grüne Stadtrand-Idylle erfunden worden sein – und doch werden jetzt genau dort in der aktuellen Ausstellung „Zwischen Räumen“ Fragen von urbanem Raum und seiner Regulierung verhandelt sowie auf knarzendem Edelparkett Matta-Clarks brachiale Dekonstruktionen gezeigt, die die Wohlfühlgrenze eines sonntäglichen Ausflugspublikums überschreiten.

Dazu gesellen sich im Verlauf des Rundgangs neue Installationen zeitgenössischer Künstler: Isa Melsheimer, Marjetica Potrč und Simon Faithfull haben sich dem Thema „Zwischen Räume“ auf beste konzeptuelle,  interdisziplinäre bis verrätselte  Art angenommen, die sich vielleicht noch weniger als die kräftigen Fotoarbeiten als schnell konsumierbare Kunsttapete auf dem Weg zum Museumscafé eignen – von der freischwebenden, dreidimensionalen Collage der jungen Italienerin Diana Sirianni, die die komplette Halle explosionsartig in ihre Einzelteile auflöst, erst gar nicht zu sprechen.
Diese große zersplitterte Arbeit entlang der Haupttreppe reicht vom Atrium bis zum Erdgeschoss hinunter und verbindet so diesen ersten, Grenzen sprengenden Ausstellungsteil oben mit den traditionelleren, aber nicht weniger intensiven Arbeiten, die im Erdgeschoss zu sehen sind. Sechs DDR-Künstlerinnen wie Ursula Strozynski, Sabine Peuckert und Sybille Bergemann haben hier ihrerseits die Fragen nach Raum und Grenzen mittels Malerei, Fotografie und Lithografie ausgelotet. Ihre zurückhaltende, oft melancholische und persönliche Sicht auf Ost-Berlin rundet eine Ausstellung ab, die sich nicht nur dem sichtbaren Stadtraum und seinen Umbrüchen verschreibt, sondern auch den verschlossenen Raum, politisch wie persönlich, zeigen will.

Direktorin Katja Aßmann hat mit ihrem Kuratoren-Team, unter anderem Angelika Weißbach vom Kunstarchiv Beeskow und Christian Hiller vom Haus der Kulturen der Welt, eine kluge, dreistufige Schau von den Anfängen der räumlichen Intervention im heruntergekommen New York über die enge Zeit in Ost-Berlin bis hin zu aktuellen Positionen zu Gentrifizierung und Urbanisierung konzipiert. Und gezeigt, warum Schloss Biesdorf jetzt ZKR heißt: Zentrum für Kunst im öffentlichen Raum.

Zwischen Räumen Schloss Biesdorf, Alt-Biesdorf 55, Marzahn, Mi–Mo 10–18 Uhr, Do 13–21 Uhr, bis 8.10.

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