Kunst und Museen in Berlin

Kunstkopf: Nicole Heinzel

"Die in Libyen, Trinidad und Schottland aufgewachsene Künstlerin bringt die Betrachter ihrer Scratch Paintings ins Schwimmen ..."

Nicole Heinzeltip Deine Methode, die Farbe aufzutragen und abzukratzen, klingt sehr aufwendig. Wie un­ter­scheidet sich das Resultat von einem „normalen“ Gemälde?
Nicole Heinzel Bei manchen Bildern funktioniert ein schnelles, schwungvolles Kratzen mit dem Messer besser, ich wüsste nicht, wie man so eine Linie mit dem Pinsel hinbekommen sollte. Der Pinselstrich enthält viel zu viele Informationen. Eine Linie, die mit dem Messer durch eine Farbfläche gezogen wird, ist aufs Wesentliche reduziert. Ich glaube eh, dass meine Arbeit eher dem Zeichnen als der Malerei ähnelt. Ab und zu nehme ich natürlich auch einen Pinsel, um Farbe wieder aufzubauen. Meine Technik, die ich über die Jahre entwickelt habe, ist aber nur ein Mittel zum Zweck.

tip Welchen Effekt willst du nun genau erreichen?
Heinzel Ich versuche die Wahrnehmung des Betrachters zu verwirren, ihn ins Schleudern zu bringen. Beim Betrachten passieren unendlich interessante Sachen. Zum Beispiel wirken die Bilder von Weitem zuerst wie eine Fotografie, aber von der Nähe angeschaut, sieht man das abstrakte Ölgemälde – oder auch umgekehrt. Diesen „Empfindungs-Kippeffekt“ finde ich spannend. Beim Malen laufe ich immer auf einem Drahtseil, der Prozess ist gleichzeitig sehr kniffelig und sehr aufregend!

tip Warum ist das Malen ein Drahtseilakt? Was kann schiefgehen?
Heinzel Na ja, es könnte zu realistisch oder zu abstrakt werden. Der Trick ist, dazwischen zu bleiben.

Interview + Foto: Constanze Suhr

Konjunktionen Benjamin de Burca, Nicole Heinzel, Lia Vaz Saleiro, Maik Scheermann, Ross Walker; Kunsthalle M3, Atelierhaus Mengerzeile, Mengerzeile 1-3, Treptow, bis 17.5., Fr-So 13-18 Uhr und nach Vereinbarung (0177-60 0 74 76); www.october-rooms.com

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