Kunst und Museen in Berlin

Künstlerhaus Schwarzenberg

Zwischen Selbstbehauptung und Kommerzialisierung: Das Künstlerhaus Schwarzenberg feiert sein 15-jähriges Bestehen in Mitte

MonsterkabWie ein Alchemist in der Geheimkammer beugt sich Hannes Heiner im dunklen Keller­gemäuer vom Haus Schwarzenberg über seinen funzelig beleuchteten Arbeitsbereich – nur dass es sich hier bei den Gerätschaften um einen modernen Laptop handelt, keine rauchenden Reagenzgläser oder ominösen Ampullen. Schon kommt das vieräugige Untier aus dem Monsterkabinett in Bewegung, rollt die Augen und gestikuliert im Takt einer ziemlich schrägen Musik. Seit den 1980er-Jahren tüfteln die Mitglieder der Dead Chickens an ihren skurrilen Automatenkreaturen. Heute steckt nicht nur Schrott, sondern auch Kunststoff und High-Tech-Material in den glupschäugigen Skulpturen, doch der kindliche Spieltrieb der Erfinder scheint ungetrübt.

Als ein „heruntergekommener Vergnügungspark“ wartet das Monsterkabinett der Künstlergruppe in den Kellergewölben des Hauses Schwarzenberg auf ebenso Kind gebliebene Besucher. Und die kommen zahlreich. Denn das Künstlerhaus mit Galerie, Kino und Kneipe erscheint eingekesselt in die Shopping-Meile rund um den Hackeschen Markt wie das berühmte gallische Dorf inmitten der vom römischen Feind eroberten Gebiete. In der hauseigenen Galerie „Neurotitan“ zeigt sich am besten die Gratwanderung zwischen Selbstbehauptung und Kommerzialisierung. Der seit 1996 bestehende Ausstellungsraum bietet vornehmlich unbekannten Künstlern die Gelegenheit, sich zu präsentieren. Experimentalkunst und Subkultur sollen hier unterstützt werden, doch man scheut sich auch nicht, im angrenzenden Shop auf Umsatz zu hoffen. So ein Ausstellungsbetrieb muss schließlich finanziert werden. Zusammen mit anderen Kulturschaffenden grün­deten die Dead Chickens 1995 den Verein Schwarzenberg e.V. und retteten das Gebäude vor Verfall und Spekulanten. Das Überleben des Inselchens für Idealisten inmitten einer tobenden Konsumsee wird nun zwei Wochen lang gefeiert.

Text: Constanze Suhr

Foto: Torsten Elger

15 Jahre SCHWARZENBERG E.V. Rosenthaler Str. 39, Mitte,  Jubiläumsfeierlichkeiten vom 15.10. bis 30.10.: Täglich Performances, Lesungen, Filme, Diskussionen, Live-Konzerte und Partys; Austellung „Blickwechsel“, Galerie Neurotitan,
Eröffnung: Fr 15.10., 20 Uhr; Programm unter www.haus-schwarzenberg.org

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