Kunst und Museen in Berlin

Kunstsalon Murid Bosh vergrößert sich

Erst privat, jetzt in der Kunsthalle M3: Der Friedrichshainer "Kunstsalon Murid Bosh" vergrößert sich im Treptower Exil.

bosh_c_schnitgerHart, aber ungerecht. So könnte manchem Kunstkenner das Urteil des Malers und Fotografen Boris Duhm (Foto), 40, über die etablierte Mitte-Kunstwelt erscheinen: Dort werde zu überhöhten Preisen handwerklich fragwürdige Fotografie angeboten, und überhaupt ginge es, was das Wesen der Kunst betreffe, recht lieblos zu. Weil inzwischen bestimmte Szenen tatsächlich nicht mehr ohne große Investitionen oder Verbindungen in elitäre Milieus zu knacken sind, hat der Friedrichshainer zu dem ironischerweise an die Gründerzeit vieler Star-Galerien erinnernden Mittel der Selbsthilfe gegriffen: der Ausstellung in den eigenen vier Wänden. Die fand jüngst mit über 200 Arbeiten von 54 Künstlern aus 14 Ländern in einer Zweiraumwohnung in der Nähe des Boxhagener Platzes statt. Toll an Boris Duhms „Kunstsalon Murid Bosh“ ist jedoch nicht nur das gemütliche Beisammensein bei selbst gekochter Suppe, das in Abendgarderobe oder festlicher Verkleidung zelebriert wird und in seiner Mischung von privat und öffentlich, von Kultur und Subversion an die besseren Aspekte der Dissidentenkultur des einstigen Ostblocks erinnert. Dazu lässt sich zwischen viel akademisch solidem Material auch die eine oder andere Entdeckung machen, die es aufgrund der auch in der Off-Szene geltenden, harschen Selektionskriterien woanders nicht ohne Weiteres an die Galeriewand geschafft hätte.

Da sind beispielsweise die aufregenden Assemblagen von Holger Lang, der als Aktivist der KPD/RZ einen gewissen Underground-Ruhm genießt, und – von Pippi Langstrumpfs Sachensucherei inspiriert – „Found & Trash Art als Gegenwartsarchäologie“ betreibt. Der als Hörspiel- und Feature-Autor bekannte Josef Maria Schäfers zeigt, dass er auch als Maler einen Blick wert ist, und ohne Murid Bosh wäre wohl auch „The Unknown Artist from Finland“ komplett in Vergessenheit geraten. Da jedoch im visuellen Dschungel der Petersburger Hängung der kontemplative Aspekt entschieden zu kurz kommt, ist auch die Neuauflage des Salons auf 250 Quadratemetern in der Treptower Kunsthalle M 3 einen Besuch wert.

Text: Gunnar Lützow

Foto: Harry Schnittger

Kunsthalle M3 Mengerzeile 3, Treptow, 11.3.–1.4., Sa+So 15–18 Uhr und nach Vereinbarung: 0172-468 54 99; Eröffnung Sa 10.3., 18–22.30 Uhr

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