Kultur & Freizeit in Berlin

Kuratoren und Kunsträume: Secondary Narratives

Oftmals kooperieren Künstler, seltener Kuratoren und Projekträume, wie in dem Ausstellungsprojekt "Secondary Narratives", das über Berlin verteilt 15 Orte bespielt.

Kuratoren und Kunsträume: Secondary Narratives

Für freie Kuratoren und Projekträume ist, neben dem Geld, Aufmerksamkeit eine der wertvollsten Ressourcen. Die lässt sich gemeinsam besser herstellen. Zusammen­arbeiten wie „Secondary Narratives“ ermög­lichen es den einzelnen Projekten und Kuratoren, ein breiteres Publikum anzu­sprechen.
Melissa Steckbauer, Leiterin des Projektes „The Wand“, ist als Künstlerin und Kuratorin an dem Projekt beteiligt. „Die Idee, zusammen etwas zu machen, wurde in der Gruppe entwickelt. Der Überbau Secondary Narra­tives ist ja vieldeutig und kann sehr unterschiedlich ausgelegt werden, sodass jede Ausstellung gleichzeitig für sich steht und mit den anderen zusammen funktioniert.“ Ihr kuratorisches Projekt „Deep Play“ besteht aus zwei Teilen: In „Korede, Corazon“ untersucht sie die Beziehung eines jungen Mannes zu seinem Kiez Moabit in Form eines visualisierten Liebesbriefes. Im zweiten Teil, „Double M Consultancy“, bietet sie in Kooperation mit Matthew Greenfield spirituelles und praktisches Coaching an.
Als Künstlerin ist Steckbauer Teil des von Manuel Wischnewski entwickelten Projektes „Elisabeth“. Wischnewski, einer der Leiter der Neuen Berliner Räume, hat hierfür sechs Künstlerinnen gebeten, sich mit der Hinterlassenschaft seiner Großmutter Elisabeth auseinanderzusetzen. Sie alle hatten Zugriff auf das Archiv, das er von Elisabeths Dingen angelegt hat. Ein emotionales Projekt, ohne Zweifel, und doch anschlussfähig.
Die insgesamt 15 Orte, die von Secondary Narratives bespielt werden, können exem­plarisch dafür stehen, welche Bandbreite an Präsentations­formen und Orten für Kunst und die Arbeit freier Kuratoren infrage kommt: Neben institutionellen Orten wie der Daimler Art Collection und dem Kunst­raum Kreuzberg wird eine Anwaltskanzlei ebenso einbezogen wie eine öffentliche Bi­bliothek, eine Plakatwand in Moabit, eine Eisdiele, Parks und Spielplätze sowie mit dem Plattenpalast ein klassischer Projektraum.
Dort präsentiert das Kuratorenkollektiv Bublitz eine Ausstellung namens „The Road Leads Back And Back to the Black Square“, die sich mit grundsätzlichen Fragen des Kuratierens selbst und wiederkehrenden Motiven der Postmoderne beschäftigt. „Correction Lines“, kuratiert von Julia Martha Müller und Frederiek Weda, ist die vierte Ausstellung und hat ihren Ort unter anderem in der Daimler Art Collection gefunden.
Secondary Narratives versteht sich dabei als Pilotprojekt und soll in Form einer inhalt­lichen Zusammenarbeit verschiedener Räume und Kuratoren von nun an in ein- oder zweijährlichem Rhythmus stattfinden.

Text: Philipp Koch 


Foto:
Philipp Külker

15 verschiedene Orte
bis 27.9., Details auf www.secondarynarratives.org

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