Kultur & Freizeit in Berlin

Kurz-Interview mit Katrin Rothe zum Film „Betongold“

Katrin Rothe hat den Film „Betongold“ gemacht, der zum Tag des Mieters an der Volksbühne ­eingeladen ist. Es geht um Gentrifizierung

Katrin_RotheWas haben Sie als Mieterin erlebt?
KATRIN ROTHE
Das Haus, in dem sich meine Wohnung befand, wurde verkauft, ich bekam einen neuen Eigentümer und eine neue Hausverwaltung. Kurz darauf kamen Modernisierungsankündigungen, mit denen sich meine Miete verdoppeln würde. Es wurde außerdem klar, dass man vorhatte, Grundrisse zu ändern, Eigentumswohnungen zu machen, und dass der Eigentümer kein Interesse hat, dass irgendwelche Altmieter noch da wohnen. Wir wollten uns dagegen wehren.

Wann war Ihnen klar, dass Sie einen Film darüber machen möchten?
Das Thema Wohnen betrifft viele Bereiche davon, wie man lebt. Das ist keine Rechenaufgabe, sondern das Leben. Mir wurde klar: Wenn die Miete so viel teurer wird, kann ich meine Arbeit als Filme­macherin nicht mehr machen. Oder wenn ich ausziehen würde, würde ich in der weiteren Umgebung keine bezahlbare Wohnung mehr für meine Kinder und mich finden.

Wie war es, selbst Protagonistin in Ihrem Film zu sein?
Das bot sich an, denn ich wollte sehr genau zeigen, wie eine Entmietung stattfindet, auch die psychologische Seite. Und mich brauchte ich nie fragen, ob ich mich filmen lasse.

Wozu haben Sie die Trickfilm-Sequenzen eingesetzt?
Für Situationen, die ich nicht filmen wollte – weil ich sie so zeigen wollte, wie sie tatsächlich stattgefunden haben. Sobald eine Kamera da ist, ist die Gefahr da, dass man sich verstellt.  

Inwieweit haben Sie Verständnis für Menschen, die in Immobilien finanzieren?
Die sind nicht groß anders als ich. Die haben vielleicht eine Fest­anstellung oder Eltern, von denen sie geerbt haben – ein zufälliger Unterschied. Das Problem sind nicht die Leute, die sich eine Wohnung kaufen, sondern dass es Leute gibt, die damit schnell richtig viel Geld machen.

Hat denn jeder das Recht, im attraktivsten Viertel der Stadt zu wohnen?
Wann ist ein Viertel attraktiv? Es sollte lebendig sein, und ich bin der Meinung, dass wir, die hier lange wohnen, das Viertel lebendig gemacht haben.

Worauf freuen Sie sich am Tag des Mieters an der Volksbühne?
Ich wünsche mir, dass viele kommen, die auch gerade in so einer Lage sind, dass sie sich austauschen. Nur dann hat man eine Chance.  

Interview: Stefan Hochgesand
Foto: Martin Langner

Tag des Mieters
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte, Fr 25.5., ­­
www.volksbuehne-berlin.de

Betongold
arte, Do 30.5., 23.30 Uhr

 

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