Gitarren-Coolness

Lenny Kravitz spielt auf der Zitadelle Spandau

Waschbrettfunk: Wie schlägt sich Lenny Kravitz gegen Hendrix und Cobain?

Mathieu Bitton

Wer Ende des vergangenen Jahrhunderts groß wurde und ein berühmter Gitarrist werden ­wollte, durchlief eine Kurt-Cobain-Phase, die mit zunehmenden Fertigkeiten in eine Jimi-­Hendrix-Phase überging. Dazwischen aber (oder vielleicht eher als zuverlässiger Begleiter, als vorbildgebendes Leitmotiv der 1990er) war da Lenny Kravitz, die menschgewordene Coolness aus New York. Er war zwar nicht so revolutionär virtuos wie Hendrix und hatte auch nicht die selbstzerstörerische Wut eines ­Cobain, dafür aber einen Waschbrettbauch und ein tadelloses Gespür für den Funk.

Selbst wer sein Auftreten zu affektiert und seine Musik zu poppig fand, musste zugeben, dass da ein großes Talent am Werk war, das alle Instrumente beherrschte und in die Lehrbücher eingehende Gitarrenriffs schuf. Kravitz sammelte haufenweise Grammys, engagierte sich gegen den Irak-Krieg – und man verlor ihn ein bisschen aus den Augen, bis er mit „Black And White America“ 2011 wieder ein formvollendetes Funk-Album vorlegte. Seither hat Lenny leider nichts Hörenswertes mehr hervorgebracht. Sich im mittleren Alter noch einmal neu zu erfinden, ist aber auch verdammt schwer. Cobain und Hendrix mussten das nicht, sie werden immer 27 bleiben, ­Kravitz aber lebt. Noch immer mit Waschbrettbauch. Mama würde sagen: Das bessere ­Vorbild.

Zitadelle Am Juliusturm 64, Spandau, Di 12.6., 19 Uhr, VVK 74,50 €

Kommentiere diesen Beitrag

[fbcomments]