Termin-Tipps

Bildung in Berlin: Hier macht Wissenschaft Spaß

Ihr wollt in Berlin Bildung genießen, seid auf der Suche nach den passenden Veranstaltungen? Kein Problem, wir haben ein paar für euch rausgesucht. Immerhin ist es leicht, sich bei all den ganzen Forschungseinrichtungen, Museen und Universitäten zu verlieren. Gefühlt erklärt immer irgendwer irgendwas, schön, aber auch anstrengend. Hier sind die spannendsten Lesungen, Vorträge und Führungen für diese Woche und ein Ausblick auf Highlights in der nächsten Zeit. Bildung muss schließlich nicht langweilig sein.


„Bau auf, bau auf!“ – Die Hauptstadt der DDR

Vordenker mit prächtigsten Bärten: Karl Marx und Friedrich Engels. Foto: Imago/imagebroker

„Für eine bessere Zukunft, richten wir die Heimat auf“, hieß es in dem wohl bekanntesten Song „Jugend erwach!“ von Reinhold Limberg. Besonders beliebt war er wohl bei der DDR-Jugendorganisation FDJ. Wir sparen uns die Analysen des doch recht motivierenden, wohl eher antreibenden Liedguts. Gerade deshalb dreht sich wohl die nach dem Refrain benannte Stadtführung von Stadtreisen Berlin durchs Zentrum Berlins um die Hauptstadtbauten der DDR. Die funktionierte viele prägende Orte nach ihren Vorstellungen um, was zu ideologischen Neuinterpretationen führte. Was es mit dem Palast der Republik, dem Marx-Engels-Forum oder dem Staatsrat auf sich hatte, erfahrt ihr bei einem kleinen Winterspaziergang.

  • „Bau auf, bau auf!“ – Die Hauptstadt der DDR Treffpunkt: Unter den Linden 6, Mitte, 16.1, 14-16 Uhr, 13 € (erm. 10 €), Tickets und weitere Infos hier

Streitraum: „Ostdeutsche Identität – was ist das und wenn ja, wie viele?“

In der Schaubühne wird demnächst über ostdeutsche Identität diskutiert. Foto: Imago/Martin Müller

Zugegeben, eine Anspielung auf Richard David Precht spricht nicht wirklich für inhaltliche Stärke, vielmehr für Verknappung. Andererseits spricht der Titel viele Menschen an und das ist bei dem Thema wichtig. Es geht darum, Missverständnisse und Stereotype in Sachen ostdeutscher Erfahrungen aufzuarbeiten, herauszufinden, wo es zwischen unterschiedlichen Erlebnissen doch Gemeinsamkeiten gibt. Fragen, etwa wie verschiedene Generationen von Ostdeutschen mit ihrer Vergangenheit umgehen, sollen dabei helfen. Zuletzt soll es um rechte Bewegungen und rassistische Gewalt in ostdeutschen Städten gehen und die Frage, wie wir uns ihr entgegenstellen können. Mit dabei sind Journalist Christian Bangel (Zeit Online), Autor Jens Bisky („Berlin. Biographie einer großen Stadt“), ehemalige DDR-Oppositionspolitikerin Marianne Birthler und Autorin Samira Kenawi („Falschgeld – Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit“).

  • Streitraum: „Ostdeutsche Identität – was ist das und wenn ja, wie viele?“ Schaubühne, Kurfürstendamm 153, Wilmersdorf, 16.1, 12 Uhr, 6 € (3 € ermäßigt), weitere Infos und Karten hier

Kollektive Intelligenz bei der Arbeit: Von Ameisen und Algorithmen

Ameisen arbeiten deutlich besser zusammen als wir Menschen. Foto: Imago/YAY Images

Eine kleine Hörempfehlung: Am 14.1 erklären Organisationspsychologin Susanne Lang, Künstler Maximilian Prüfer und Medientheoretiker Soenke Zehle im Podcast des Theaters Hebbel am Ufer, was wir von Ameisen lernen können. Okay, das mag langweilig klingen, ist’s aber nicht. Gerade was Schwarmintelligenz anbelangt, sind uns die Insekten überlegen. Um zu lernen, wie man kollektiv denkt, können wir sie uns zum Vorbild nehmen.

  • Kollektive Intelligenz bei der Arbeit: Von Ameisen und Algorithmen hier geht’s zum Podcast (Online am 14.1, 17 Uhr)

performances von [weiblichkeit] in den darstellenden künsten

Wie werden eigentlich Frauen in der Oper dargestellt? Ein Symposium der UdK setzt sich mit der Frage auseinander. Foto: Imago/Leemage

Geht es um geschlechterspezifische Missstände, steht die ach so weltgewandte Kulturbranche dem ach so übermaskulinen Finanzsektor in nichts nach. Neben teilweise rückständigen Arbeitsbedingungen sind es aber auch Klischees, die in vielen Bühneninszenierungen verbreitet werden. Deshalb findet an der Universität der Künste in diesem Jahr zum vierten Mal ein Symposium statt, bei dem Expert:innen zusammen mit dem Publikum über Fragen wie die Darstellung von Frauen in der Oper, aber auch bessere Arbeitsbedingungen für Frauen, Mütter und alle im Theater sprechen. An Workshops, etwa zu den Widersprüchen linker Männlichkeit, könnt ihr ebenfalls teilnehmen.

  • performances von [weiblichkeit] in den darstellenden künsten UdK, Lietzenburger Straße 45, Charlottenburg, 22.1, 9.15-19.15 Uhr, 23.1, 9.15-14 Uhr, Anmeldung hier, weitere Infos hier

Rassisten? Sind immer die Anderen!

Falls ihr hier an der hochgradig problematischen Bezeichnung hängt, ist das Seminar etwas für euch. Foto: Imago/Panthermedia

Rassismus ist schlecht, deshalb würden sich wohl nur wenige diese Geisteshaltung zuschreiben. Das Problem dabei: Wie das Thema wahrgenommen wird, ist meist stark verkürzt. Es wird mit Klischees verbunden, etwa baseballschlägerschwingende Nazis, Menschen mit Hakenkreuztattoos, Ku-Klux-Klan-Anhänger:innen. Eben sowas. Und diese Vorstellung führt dazu, dass die eigene Haltung und die Sprache nicht mehr hinterfragt werden. Bestimmte Wörter werden etwa weiterhin genutzt, obwohl sie für manche Menschen verletzend sind. Der Online-Workshop von Reinhard Fischer (Berliner Landeszentrale für politische Bildung)“Rassisten? Sind immer die Anderen!“ soll dabei helfen, das eigene Verhalten und den Sprachgebrauch zu reflektieren.

  • Rassisten? Das sind immer die Anderen! 17.1, 15-18 Uhr, Online abrufbar, Anmeldung hier

Wir sind nicht allein

Im Zeiss Planetarium könnt ihr euch über außerirdisches Leben informieren. Foto: Imago Images/Sabine Gudath

Unzählig viele Sterne, allein im beobachteten Universum, aber von Leben keine Spur. Dabei könnte es durchaus bewohnbare Planeten, also solche mit Wasser und einem Magnetfeld, das ausreichend vor kosmischer Strahlung schützt, in unserer Milchstraße geben, Forschende schätzen rund 40 Milliarden. Der Astronom Frank Drake stellte entsprechend in den 1960er-Jahren eine Formel auf, mit der wir angeblich berechnen können, wie viele technisch fortgeschrittene Zivilisationen es in der Milchstraße geben könnte. Positiv: Die Formel zeigt, dass selbst eine winzige Wahrscheinlichkeit von intelligenten Leben auf einem bestimmten Planeten kein Hindernis für intelligentes Leben im All ist. Negativ: Die Formel rechnet mit Fantasiewerten, ist ergo unbrauchbar. Doch natürlich beschäftigt das Thema auch heute noch viele Forschende. Wie sie arbeiten, was sich seit Drake getan hat, erfahrt ihr unter anderem im Zeiss Planetarium. Es ist nur eine von vielen Veranstaltungen für den Jahresschwerpunkt „wirsindnichtallein“.

  • Wir sind nicht allein mehrere Standorte, Termine gibt es erstmal bis Ende März, weitere Infos hier

Elektropolis-Tour

Gründerzentren gab es auch lange bevor Leute in schwarzen Kapuzenpullovern und mit ausreichend familiären Startkapital ihre Tempel für großspurige App-Visionen und bescheidene Arbeitsbedingungen errichteten. An der Spree entstand etwa Ende des 19. Jahrhunderts der Kern für die Berliner Stromversorgung, ein Elektrizitätswerk, welches die Aktien-Gesellschaft-Berliner-Elektricitätswerke betrieb. Heute findet sich unter anderem der Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft in einem der alten Fabrikgebäude. Bei der Elektropolis-Tour erfahrt ihr, wie die Gegend um die Spree auch nach großen Umbrüchen ein Innovationsmotor bleiben konnte.

  • Elektropolis-Tour Reinbeckstraße 9, Schöneweide, regelmäßig freitags und sonntags ab 12 Uhr (vorerst bis Ende Februar), weitere Infos und Karten hier

Mehr Veranstaltungen

Eine große Veranstaltung fällt dieses Jahr leider ins Wasser: Hier erfahrt ihr, warum der Karneval der Kulturen ausfällt. Ihr seid noch auf der Suche nach Veranstaltung abseits von Wissenschaft und Bildung? Tipps für eure Freizeit in Berlin: Das ist los in dieser Woche. Mehr Kultur gefällig? Kultur-Tipps für dieses Wochenende von Kunst bis Konzert. Wenn ihr wissen wollt, was Berlin bewegt, findet ihr hier all unsere Stadtleben-Texte.

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