Lifestyle

Fashion Week Berlin

Fashion Week Berlin

Wieder mal wird in den Feuilletons „der neue Mann“ diskutiert. Metrosexualität sei out, heißt es jetzt. Der Mann von heute ist „sporno“. Sporno? Richtig gelesen. Diese Wortkreation setzt sich aus „Sport“ und „Porno“ zusammen und beschreibt einen Kerl, der sich als Sportler und Sex­symbol inszeniert. Cristiano Ronaldo ist spornosexuell. Genauso wie Hollywood-Schönling Zac Efron und Pop-Bubi Justin Bieber, die täglich auf Instagram um Aufmerksamkeit buhlen. Metro-, retro-, spornosexuell? Diese Begriffe gehen auf den britischen Journalisten Mark Simpson zurück. Vor gut 20 Jahren entdeckte er im New Yorker Meatpacking District den metro­sexuellen Mann: Er zupfte seine Augenbrauen und orientierte sich am Kleidungs­stil der dort ansässigen Schwulenszene.  Dass sich auch heterosexuelle Männer um ihr Äußeres bemühen, war 1994 noch erklärungs­bedürftig. Heute ist es selbst­verständlich. David Beckham sei Dank, der als Vorreiter der Metrosexuellen-Bewegung gilt.

Was Simpson in New York beobachtet hat, wurde bald schon von der Kosmetik­industrie aufgegriffen. Sie etablierte Beckham als Stil­ikone. Dank Schweini und Joachim Löw, die heute ebenfalls Werbung für Pflege­produkte machen, dürfen auch deutsche Männer ungeniert ins Tiegelchen greifen.  Was sie gerne tun: Laut L’Oréal verdoppelte sich der Umsatz im Männerpflegebereich. Seit Justin Biebers Sturmfrisur laufen auch Hairstyling-Produkte wieder.  Und auch die Männermode boomt.

Das Fachblatt „TextilWirtschaft“ berichtete kürzlich, dass seit 2009 der Markt um jährlich sieben Prozent gewachsen sei – doppelt so stark wie der für Frauenmode. Dieser Trend setzt sich nun auf der Mercedes-Benz Fashion Week fort, auf der immer mehr Menswear-Designer zeigen. Die meisten davon kommen aus Berlin. Wie Ivan Mandzukic, der am Montag mit seinem Label Ivanman – einem der interessantesten Newcomer – den Auftakt macht.  Die Mode des gebürtigen Serben lebt vom Wechselspiel aus streng und weich. Trotz der femininen Ausrichtung seiner Kollektion bleibt er jedoch traditionellen Formen treu. Diese respektiert auch das Kreativduo Brachmann, das vor einem halben Jahr von Halle in die Hauptstadt gezogen ist. Die beiden inspirieren sich an Klassikern der Herrenmode. Ein Spiel mit den Details, bei dem die für Jacken typische Norfolkfalte an die Seite einer Hose wandern kann oder ans Rückteil eines Hemdes.

Ganz anders dagegen: Designerin Frida Homann vom Label Dyn, ebenfalls aus Berlin. Ihr bunter Mix aus farbigen Prints und Blumenmuster hat mit klassischer Herrenmode wenig zu tun. Sie entwirft einen frischen, modernen Look, der allerdings vom Träger Mut erfordert.  Und auch Daniel Blechman vom Label Sopopular, ein alter Hase auf der Fashion Week, verabschiedet sich von seiner bisher klassischen Ausrichtung zugunsten eines progressiveren Stils. Unter dem Motto „Revolution Noire“ zeigt er jetzt seine zwölfte Kollektion.  Auf die Modenschau solle man gespannt sein, prophezeit er: „Sie wird aggressiv.“

Text: Wolfgang Altmann

Foto:
Robin Kater

Mehr über Cookies erfahren