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Heilfasten: Wirkung, Ziele und Tipps der Fastenform

Jom Kippur, Ramadan oder Ostern – Fasten ist seit Jahrtausenden Bestandteil der menschlichen Kultur. Wie beim religiös motivierten Fasten, gilt es beim Heilfasten sich im Verzicht zu üben und wenig bis keine Nahrung zu sich zu nehmen. Ablauf, Sinn und Ziele des Heilfastens unterscheiden sich jedoch stark vom religiösen Fasten. Wir haben alle wissenswerten Informationen rund ums Heilfasten für euch zusammengetragen.

Selbstgemachte Gemüsebrühe schmeckt am besten. Beim Heilfasten müsst ihr das Gemüse leider rausfischen und die klare Brühe trinken. Foto: Imago Images/Shotsho

Was ist Heilfasten?

Es gibt verschiedene Formen des Heilfastens. Die meisten sehen es vor, dem Körper über einen gewissen Zeitraum lediglich Flüssigkeit zuzuführen und auf feste Nahrung sowie Genuss- und Rauschmittel zu verzichten. Ziel des ganzen Verzichts ist die Reinigung und Entgiftung des Körpers. Esoteriker*innen säuseln noch hinzu, dass das Heilfasten eine großartige Symbiose aus Körper und Seele schaffe und somit zur seelischen Reinigung und veränderter Wahrnehmung beitrage.

Man vermisst die vollen Teller schnell. Das Heilfasten tut dem Körper jedoch viel Gutes. Foto: Imago Images/imagebroker

Was bringt Heilfasten?

Dem Heilfasten wird auch außerhalb esoterischer Kreise eine heilende Wirkung zugesprochen, da der Körper entgiftet wird und wegen des Mangels an Energiezufuhr durch Nahrung auf körpereigene Energiereserven zurückgreift, außerdem werden Endorphine ausgeschüttet, die Konzentration sowie das gesamte Körpergefühl werden verbessert. Heilfasten soll bei vielen Krankheiten wie Rheuma, Diabetes oder Allergien, aber auch bei Depressionen und Schlafstörungen lindernd oder sogar heilend wirken.

Welche Formen des Heilfastens gibt es?

Pionier und Gründungsvater des Heilfastens ist der Arzt Otto Buchinger, der 1966 verstarb. Zuvor fastete er für einige Tage und stellte am Ende zufrieden fest, dass seine Rheumaerkrankung geheilt wurde. Buchinger-Fastende ernähren sich von Gemüsebrühe, Wasser, frischen Gemüsesäften und Kräutertees. Über die Zeit kamen zahlreiche Fasten-Alternativen hinzu, die der Wasser-, Tee-, und Gemüsesaft-Fastenkur Molke, Milch, Eiweißzusätze oder Fruchtsäfte hinzufügten.

Wem das mit der Brühe und dem Wasser zu eintönig ist, der kann beim Heilfasten auch Säfte trinken. Foto: Imago Images/Westend61

Das Heilfasten nach Hildegard von Bingen ist mit Rezepten aus der eigenen Hildegard-Küche versehen und beschäftigt sich viel mit den seelischen und psychischen Zuständen während des Fastens. Neben dem klassischen Heilfasten, das gewöhnlich fünf bis 14 Tage lang durchgeführt wird, gibt es das Kurz- und Langzeitfasten sowie das intermittierende Fasten. Letzteres befasst sich mit dem Fasten in Intervallen, zum Beispiel das regelmäßige Auslassen von Frühstück oder Abendessen oder das tägliche Abwechseln von Essen und Fasten.

Warum Heilfasten?

Heilfasten ist kein besonders guter Plan, wenn ihr abnehmen wollt, schließlich fastet ihr kein Leben lang, sondern einige Tage. Nach Ablauf der Fastentage, nimmt man alles Abgenommene gewöhnlich wieder zu. Wenn ihr dazu neigt, viel fettiges Essen und Süßigkeiten sowie Kaffee, Zigaretten und Alkohol en masse zu euch zu nehmen, hilft das Heilfasten dabei, euren Körper zu reinigen, zu entgiften und zu regenerieren. Neben der reinigenden Wirkung des Heilfastens auf den Körper, treten angenehme Nebeneffekte wie gute Laune, gesteigerte Konzentration, besserer Schlaf und ein allgemein gutes und fittes Körpergefühl auf.

Was geschieht während des Heilfastens im Körper?

Egal in welchen Verhältnissen man nun Molke, Wasser oder Säfte zu sich nimmt, eurem Körper wird überwiegend kalorienlose oder -arme Flüssigkeit zugefügt. Dementsprechend ist euer Darm nicht die ganze Zeit mit der Verdauung beschäftigt, wodurch ihr mehr Energie habt und weniger Schlaf benötigt. Blutzucker, Cholesterin- und Entzündungswerte sinken, der Stoffwechsel verändert sich. Der Körper greift zur Energiesicherung auf die körpereigenen Fettreserven zurück, Muskeln werden abgebaut, um Proteine zu erhalten.

Durchs Heilfasten könnt ihr das Gefühl eines Highs haben, ganz ohne Alkohol und Drogen. Foto: Imago Images/PIXSELL

Aus den körpereigenen Fetten werden in der Leber Ketonkörper gebildet. Das Gehirn deckt seinen Energiebedarf während des Fastens nicht mehr ausschließlich durch Glukose, sondern ebenfalls durch die Ketonkörper. Giftstoffe, die zuvor im Fett gespeichert waren, werden durch den Fettabbau freigesetzt, was zu Kopf- oder Nierenschmerzen während des Fastens führen kann.

Ablauf und Phasen beim Heilfasten

Otto Buchingers Heilfasten sieht zwar einen Zeitraum von 14 Tagen vor, fünftägiges Heilfasten ist jedoch ähnlich heilsam und sei denen empfohlen, die noch nie zuvor gefastet haben. Sollte es euch körperlich und seelisch prächtig ergehen, könnt ihr das Heilfasten um weitere Tage verlängern. Die erste Phase des Heilfastens, egal bei welcher Fastenform, sieht Entlastungstage vor, während derer ihr gemüsebasierte Schonkost esst und euch bereits von Koffein, Alkohol und Zigaretten entwöhnt.

Kartoffeln sind toll, schonend und sättigend. Das ideale Essen während der Schonungstage, zum Beispiel in gekochter Form mit Quark. Foto: Imago Images/MiS
  • Ihr bereitet euren Körper während der ersten Phase darauf vor, dass er bald keine Energiezufuhr von außen bekommt.
  • Es folgt Phase zwei, die Darmentleerung. Am Angenehmsten ist das natürliche Abführen in Form von Sauerkraut-, Zitronen- oder Pflaumensäften. Alternativ könnt ihr Glaubersalz schlucken, das solche Magenkrämpfe auslöst, dass sich der Darm wie durch Zauberhand entleert oder ihr verpasst euch, nicht sehr viel angenehmer, aber schonender als das Salz, einen Einlauf.
  • Während der Hauptphase, dem Heilfasten, werden Gemüsebrühen, Tees und Säfte geschlürft, außerdem ausreichend Wasser. Aus lauter Langeweile trinkt man meistens aber eh genug.

Anfängliche Schwäche und Gedankenspiralen, die sich um fettige Pizzen und Türme von Spaghetti drehen, sind völlig normal. Irgendwann lässt das Hungergefühl etwas nach. Achtet auf Ruhe, aber auch auf genügend frische Luft und Bewegung.

Pizza-Heißhunger beim Heilfasten ist normal – bald können solche Gelüste wieder befriedigt werden. Foto: Imago Images/agefotostock

Die letzte Phase ist das Fastenbrechen. Trotz Tagträumen rund ums Essen, solltet ihr es langsam angehen und für ein paar Tage schonende Kost zu euch nehmen, zum Beispiel gedünstetes oder gekochtes Gemüse, Joghurt und Quark, Obst oder Nüsse.

Schwierigkeiten und Nebenwirkungen beim Heilfasten

Das Heilfasten ist ohne Frage eine große Herausforderung. Gereiztheit, Hunger, Kopf- oder Nierenschmerzen können durchaus auftreten, ebenso wie das andauernde Kreisen der eigenen Gedanken ums Essen. Irgendwann wird das besser und falls nicht, könnt ihr jederzeit aufhören, es geht schließlich darum, sich etwas Gutes zu tun. Außerdem gilt: Wer unter Krankheiten leidet, sollte das Heilfasten mit seiner Ärztin absprechen oder unter Aufsicht durchführen. Menschen, die unter Essstörungen leiden sowie alte, untergewichtige und schwangere Personen sollten ebenfalls nicht fasten.


Mehr Selfcare

Bestimmt freut ihr euch nach dem Heilfasten wieder auf Essen und mehr Bewegung. Beginnend mit dem wohl stärkeren Gelüst: Berlins leckerste Bäckereien, tolle Käseläden oder besondere Feinkostläden. Wenn ihr mehr Kraft verspürt und eure verlorene Muskelmasse zurückerobern wollt, könnt ihr dies entlang von Berlins schönsten Joggingstrecken tun. Frostbeulen können ihrem Körper bei Zuhause-Sportübungen Gutes tun.

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