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Nachhaltig Leben: Tipps für einen umweltfreundlichen Alltag

Nachhaltig Leben wirkt häufig ungreifbar und viel zu aufwendig. Im Netz gibt es unzählige Informationen, viele Plattformen rammen einem zusätzlich den erhobenen Zeigefinger in die Augen. Also verschließen wir sie, machen weiter wie bisher. Nun ist es so, dass es Warnungen braucht, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Andernfalls hätte Greta Thunberg kaum den Klimawandel an die vorderste Front politischer Debatten geschliffen. Ob Leute darauf hören, ist wieder eine andere Sache. Und so schwierig ein nachhaltiges Leben im ersten Moment scheint, es lässt sich häufig einfach umsetzen. Kleine Umstellungen reichen dafür aus.


Nachhaltig Shoppen: Unverpackt einkaufen

Nachhaltig Leben bedeutet nicht auf Supermärkte verzichten. Man muss nur die richtigen wählen. Foto: Imago Images/Mint Images

Es ist kaum möglich, in klassischen Supermärkten um Plastik herumzukommen. Es landet meist in unseren Wagen, seien es Nudeln, Chips, Reis oder die Mark-Forster-CD. Letztere ist nicht nur in Plastik gewickelt. Dabei ist es keine Kunst, auf den Stoff zu verzichten. Unverpackt Läden bieten dieselben Lebensmittel wie ihre plastikverliebte Konkurrenz an, nur dass wir Verpackungen eben selbst mitbringen müssen. Das lässt sich verkraften. Wir haben übrigens 12 Zero-Waste-Supermärkte in Berlin vorgestellt, bei denen ihr unverpackt einkaufen könnt.

Warum das gut ist: Weniger Müll. 2019 kamen in Deutschland rund 6,3 Millionen Tonnen – Nabu berichtete – Kunststoffabfälle zusammen. Problematisch ist nicht nur die Menge, sondern auch die Entsorgung. Ein Teil landet zum Recyceln in Ländern wie Malaysia oder Vietnam, ein weiterer wird verbrannt. Beim aktuellen Erdölpreis ist es derzeit sogar günstiger, Feuer zu machen. Außerdem wird die durch den Vorgang gewonnene Energie als erneuerbar eingestuft und entsprechend subventioniert. Zwar müssen laut Verpackungsgesetz ab 2022 insgesamt 63 Prozent des Plastikmülls recycelt werden. Einfach verzichten wäre aber auch eine Option. Wahrscheinlich die klügere.


Lebensmittel retten

Wollt ihr nachhaltig leben, könnt ihr auch in Rettermärkten vorbeischauen, etwa Sirplus. Foto: Imago/Photopress Müller

Containern ist (noch immer) verboten, Lebensmittel retten geht trotzdem. Dafür gibt es in Berlin Märkte, etwa Sirplus, oder Verteiler, die ihr bestücken und plündern könnt. Die kostenlose Alternative. Obst und Gemüse, Brötchen und Brote, aber auch Trockenprodukte wie Fertigsuppen vor einem Schattendasein in der Mülltonne bewahren, ist doch was. Großartig Aufwand betreiben müsst ihr dafür nicht. Wir haben für euch aufgeschrieben, wo ihr Lebensmittel retten oder Gerettetes kaufen könnt.

Ihr rettet Lebensmittel übrigens auch, wenn ihr eurem Bedarf entsprechend einkauft. Solltet ihr keine geretteten Lebensmittel wollen, dann versucht wenigsten dem Zauber der Konsumfee zu entgehen. Schreibt Einkaufszettel, plant die Woche, was ihr kochen möchtet. Was übrig bleibt, könnt ihr in einen der Berliner Lebensmittelverteiler stecken.

Warum das gut ist: Weniger Verschwendung. Rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland im Müll, zeigt eine Studie des Thünen Instituts im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. 6,1 Millionen Tonnen stammen dabei aus privaten Haushalten, 0,5 Tonnen aus Groß- und Einzelhandel. Transport, Produktion, Lagerung erzeugen wiederum Emissionen. Wenn wir die Nachfrage an unsere individuellen Bedürfnisse angleichen, dürfte der Markt folgen. Das führt wiederum zu weniger Überproduktion.


Schnappt euch das Rad

So eine Radtour ist doch auch was Feines. Foto: Imago/photosteinmaurer.com

Naheliegend. Trotzdem sind selbst kleinere Autofahrten, zum Briefkasten, zum Nachbarn, nach wie vor Tagesgeschäft. Dass das Leben der Radfahrer:innen auf Berlins Straßen kein leichtes ist, liegt eben auch an den vielen Autos. Viele möchten sich diesem Stress nicht hingeben, steigen lieber in den Blechelefanten als auf den Drahtesel. Sattelt ein Teil jedoch um, werden die Straßen und damit die Radfahrer:innen entlastet. Falls euer Rad kaputt, geklaut oder bisher nur angedacht ist, haben wir hier Fahrradläden vorgestellt.

Warum das gut ist: Es ist klar, dass Autos den Löwenanteil der CO2-Emissionen im Straßenverkehr produzieren. Laut Europaparlament machen sie 60,7 Prozent aus. Effizientere Fahrzeuge wären die eine Lösung, alternative Verkehrsmittel, etwa Fahrräder, die andere. Auch öffentliche Verkehrsmittel sind eine Option.


Nachhaltig Leben mit Stil: Mehr Second Hand, weniger Fast Fashion

Second-Hand-Läden sind schon lange nicht mehr ranzig und überladen. Foto: Anna och Larson

Viele Fast-Fashion-Unternehmen, etwa H&M oder C&A, arbeiten an einem grünen Image. Statt aber ihre Produkte ausschließlich umweltfreundlich herzustellen, sind es nur ein paar Shirts, Hosen, Pullover, die sie unter ihr Standard-Sortiment mischen. Und selbst die bestehen nicht immer zu 100 Prozent aus Bio-Baumwolle oder recycelten Materialien. Unter den Fasern versteckt sich häufig auch Polyester, umweltschädliche Schläferzellen. Nach dem Entsorgen werden sie aktiv, belasten die Umwelt, sofern nicht wiederverwertet. Öko-Siegel deuten zwar auf eine korrekte Herstellung hin, beispielsweise Earth-Positive, Der Blaue Engel, Better Cotton Initiative, doch letztlich bringt es nichts, wenn wir die ausgezeichneten Kleidungsstücke nur wenige Monate nutzen. Umweltfreundlich wäre, nur das zu tragen, was man schon hat, oder in einen unserer vorgestellten Second-Hand-Läden einkaufen.

Warum das gut ist: Grundsätzlich kaufen wir zu viel. Durchschnittlich gönnen wir uns 12-15 Kilogramm Kleidung im Jahr, hat das Umweltbundesamt ermittelt. Problematisch, verursacht doch die Textilindustrie mehr Emissionen als sämtliche Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe zusammen, die FAZ berichtete. Chemikalien bei der Verarbeitung und die Pestizide für die Baumwollproduktion sind zudem Gift für die Umwelt. Und zu guter schlechter Letzt: Die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in vielen Produktionsländern. Für günstige Mode zahlen andere den Preis.


Bienenfreundlich gärtnern

Bienen transportieren Pollen von Pflanze zu Pflanze und bestäuben sie. Für unser Ökosystem sind sie unverzichtbar. Foto: Imago/Future Image

Das Bienen wichtig sind, ist eine Platte, die wir jedes Jahr neu auflegen. Dabei ist es einfach, die Tierchen zu schützen. Ein unperfekter Garten gespickt mit Wildblumen lockt sie an, einen Bienentränke, etwa ein Teller mit ein wenig Wasser, stillt ihren Durst. Ihr könnt sogar gezielt nach Blumen schauen, die besonders bienenfreundlich sind. Dazu zählen etwa Lavendel, Krokus, Margeriten, Sonnenblumen, Glockenblumen. Eine Nachricht dürfte die Deutschen aus ihren Trekkingsandalen hauen: Geranien sind nicht gut für Bienen, sorry dafür. Alle Infos, wie ihr Bienen helfen könnt, haben wir übrigens für euch zusammengefasst.

Warum das gut ist: Bienen sind für das Ökosystem unverzichtbar. Sie tragen Pollen von Blüte zu Blüte, befruchten damit zahlreiche Blüten- und Nutzpflanzen. Gibt es keine Bienen, müssten wir von Hand bestäuben, was hinsichtlich des Aufwands kaum zu stemmen ist. Einen kleinen Überblick gibt das Buch die Geschichte der Bienen von Maja Lunde. Achtung: Es ist gelegentlich etwas kitschig.


Weniger Fleisch essen

Vegetarische Sandwiches müssen sich hinter Schinkenbroten nicht verstecken. Foto: Steve Herud

Geh den Deutschen an ihr Schnitzel und sie werden pampig. Drum herum kommen wir aber nicht. Und auf Risiko in einem ähnlichen Kreuzfeuer wie die Grünen zu landen (Zur Erinnerung: der Kantinen-Veggie-Day-Eklat) muss an dieser Stelle betont werden, dass ein paar fleischfreie Tage in der Woche nicht schaden. Nicht der Umwelt, nicht der Gesundheit. Es gibt jede Menge Alternativen, seien es einfache Tofublöcke oder beängstigend real wirkende Ersatzprodukte. Nötig sind die nicht, nur ein Zusatz auf dem Teller wie es Fleisch auch sein sollte. Falls kochen zu stressig ist, haben wir sogar ein paar sehr gute vegane Restaurants für euch rausgesucht.

Warum das gut ist: Deutsche neigen, wie so häufig, beim Fleisch zum Überkonsum. Pro Kopf vertilgen sie durchschnittlich 60 Kilogramm im Jahr, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 30. Bei der Fleischproduktion werden jede Menge Emissionen ausgestoßen. Pro Kilo werden bei Schweinefleisch 4,1, bei Geflügel 4,3 und bei Rind sogar 30,5 Kilogramm Treibhausgase freigesetzt, zeigt eine Studie des Umweltbundesamts. Zum Vergleich: Bei der Produktion von Fleischersatz auf Pflanzenbasis werden 2,8 Kilogramm in die Atmosphäre gefeuert.


Zum Schluss: Es sind die kleinen Dinge

Ein guter Tipp: Urlaub und nachhaltig Leben kann passen. Fahrt doch zum Strand am Wannsee. Vielleicht nicht die Karibik, aber trotzdem schön. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Ein nachhaltiges Leben ist kein Hexenwerk. Es gibt viele Kleinigkeiten, auf die wir ohne großen Aufwand achten können, sofern Verzicht verkraftbar ist. Es braucht nicht jedes Jahr einen Flug ins Ausland, zumal Berlin und das Umland auch schöne Ecken zu bieten haben. Eine Tour durch Deutschland oder Europa mit dem Zug ginge ebenfalls. Dinge müssen nicht immer neu sein, vieles lässt sich in DIY-Werkstätten reparieren. Der Coffee-to-Go im Pappbecher hat etwas Großstadteskes, zeitgemäß ist das aber nicht. In den meisten Berliner Cafés sind mitgebrachte Becher gern gesehen. Auf einen Strohhalm verzichten kann übrigens auch nicht schaden. Auch Ersatz aus Pappe sorgt für Müll. Und mal Im Ernst: Braucht es wirklich eine Trinkkrücke?


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Für viele Jungunternehmer:innen ist Berlin ein guter Standort. Das bringt viele interessante und nachhaltige Produkte mit sich. Wir haben 12 grüne Start-Ups vorgestellt. Gerade in der Hauptstadt bietet sich ein ökologischer Lebensstil an. Hier erfahrt ihr wie ihr in Berlin nachhaltig Leben könnt. Übrigens geht auch Hautpflege ohne Umweltbelastung: Hier findet ihr 12 Läden für Naturkosmetik.

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