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Berliner Designer im Umfeld der Fashion Week

CivilistMit seinen hohen Decken und seinem unbehandelten Betonboden erinnert der Civilist Store in der Brunnenstraße noch an die Galerie, die hier vorher untergebracht war. Limitierte T-Shirts vom New Yorker Label aNYthing hängen wie Gemälde an der kalkweißen Wand; Künstler aus der Lower Eastside haben die Aufdrucke gestaltet. Im Regal in der Ecke findet man neben Fotobänden und internationalen Magazinen auch antiquarische Berlin-Bücher. Ein altes Skateboard lehnt verwaist an der Vitrine, auf der die Kasse steht. Andreas Hesse und Alex Flach (Foto oben) haben den Store vor gut einem Jahr eröffnet. Die beiden sind in West-Berlin aufgewachsen und waren Mitarbeiter der ersten Stunde beim Berliner Independent-Magazin Lodown. „Unser Shop ist aus diesem Umfeld hervorgegangen“, erklärt Hesse und meint damit seine Freunde und Bekannte, die seit Mitte der 90er-Jahre irgendwie mit dem Heft und der darin repräsentierten Rollbrettkultur zu tun haben. Genau wie Hesse ist auch das Lodown-Magazin reifer geworden: Das Skater-Fanzine hat sich zu einer Zeitschrift für urbane Kultur entwickelt, die weltweit vertrieben wird. Das Angebot im Civilist Store ist ebenso übersichtlich wie geschmackvoll: Neben exklusiven Sneaker-Editionen und ein paar Berliner Labels führen sie ausgewählte Marken aus Kopenhagen, San Francisco, Toronto und New York, deren Ursprung ebenfalls im Skateboard-Bereich liegt.

Das Sortiment ist tragbar und dezent: Grob gestrickte Pullover, Jeans und Button-Down-Hemden sind auf einer Art Sideboard-Installation ausgelegt. Auf die Frage, ob seine Kunden einen bestimmten Kleidungsstil haben, winkt der 36-Jährige ab. Den meisten sei nur wichtig, dass die Klamotte funktioniert: „Im Winter trägt man Mützen, weil es kalt ist und nicht, um ein Statement abzugeben.“ Ob das bei den beiden Japanern ebenso ist, die gerade den Shop betreten? Ihre eng geschnittenen Jeans, ihre knallbunten Turnschuhe und ihre neonfarbenen Daunenjacken lassen erahnen, dass ihnen modische Statements zumindest nicht ganz egal sind. Besonders zur Fashion Week gehört der Civilist Store zum Pflichtprogramm für alle, die sich für hochwertige Straßenmode interessieren. Viele kommen wegen der Bright, einer Messe für Street- und Skaterwear, die im Sommer aus Frankfurt in die Hauptstadt gezogen ist, und tummeln sich nach dem Messebesuch auf der Torstraße, die sich in letzter Zeit zur Modemeile entwickelt hat. Läden wie Firmament, Paul’s Boutique und Soto haben sich auf kleine Labels spezialisiert, die auch erwachsene Menschen tragen können, ohne albern auszusehen. Für viele Besucher sind die Streetwear-Boutiquen interessanter als die Flagshipstores der großen Marken rund um den Hackeschen Markt. Auch die Mulackstraße ist eine wichtige Anlaufstelle für Besucher, weil dort viele Berliner Designer ihre Geschäfte haben. Unterm Jahr sind hier die akkurat gescheitelten Jungs mit ihren Hornbrillen und schicken Mänteln unterwegs, und die Mädchen stöckeln selbst im Winter in High Heels durch den Schneematsch.

mongrelsincommonIn dieser Umgebung bekommt man eine Ahnung davon, dass sich in Berlin allmählich ein ganz eigenes Modebewusstsein entwickelt hat: Der Berliner Stil ist eine eigenwillige Verbindung aus Streetwear, Second Hand und Berliner Schnitten, kombiniert mit internationalen Edelmarken. Christine Pluess vom Label Mongrels in Common (Foto) erkennt die echten Berliner sofort: „Typisch ist, dass sie sich anziehen, als ob sie alles spontan zusammengewürfelt hätten.“ Auch Michael Michalsky ist inspiriert vom Look der Berliner Straßen: „Wenn ich durch Peking oder Tokio laufe, sehe ich Leute, die so gestylt sind wie hier vor einem Jahr.“ Die Stadt selbst wird dabei mehr und mehr zur Marke. Viele Designer nutzen das positive Image der Hauptstadt und verwenden die Herkunftsbezeichnung „Berlin“ in ihrem Logo wie ein Gütesiegel. Auch Andreas Hesse vom Civilist-Store: Die Etiketten seiner eigenen Kollektion zeigen den unverwechselbaren Umriss der Hauptstadt. Michael Michalsky will ebenfalls ein Statement abgeben, indem er „Berlin“ unter seinen Namen schreibt: „Es soll als Nachricht an die Franzosen und Italiener verstanden werden, die auch gerne Milano oder Paris auf ihre Etiketten schreiben.“ Offenbar kommt die Botschaft an: Michalsky, Lala Berlin und Kaviar Gauche gehören mittlerweile zu den bekanntesten Hauptstadt-Labels. Sie sind auch die Favoriten von Petra Winter, der Chefredakteurin der Cosmopolitan. Vor allem die Michalskys Mode gefällt ihr gut, was sicherlich auch an seinen spektakulären Shows liegt. Seine StyleNite inszeniert der Marketingprofi dieses Mal wieder im Tempodrom, wo er neben seinen Vorschlägen für den Modewinter 2012 auch das neue Kinospektakel „Tron Legacy“ präsentiert …

Den gesamten Text von tip-Autor Wolfgang Altman lesen sie in der aktuellen Ausgabe des tip 03/2011

Termine und Adressen:

Fashion in Motion: Reconstructing Klederdracht Instituto Cervantes, Rosenstraße 18-19, Mitte, Mi 19.1., 19.30 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung erforderlich unter: [email protected] oder Tel. 25 76 18 34

4. Fashion-Rock-Night Kesselhaus in der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, Do 20.1., 21 Uhr, Tickets: 35?Ђ (zu haben bei allen Vorverkaufsstellen), http://rockstar-media.biz

Swapping Party Wedding Dress, Brunnenstraße 65, Wedding, So 23.1., 15-22 Uhr, Eintritt: 1,50?Ђ (für Tauscher), sonst: 3?Ђ,
www.weddingdress5.de

Fashion Fever  Mode-Kurzfilme, Babylon, Rosa-Luxemburg-Straße 30, Mitte, Mi 19.1., ab 20 Uhr, Eintritt: 6,50 Ђ, www.interfilm.de

Fashion! Modefotografie von Camilla Еkrans, Swedish Photography, Oranienburgerstraße 27, Mitte, 21.-29.1, 17-19 Uhr, Fashionfilmfestival, 20.-23.1., 17-19 Uhr, Eintritt frei, www.swedishphotography.org

THEKEY.TO Messe zu nachhaltiger Mode, Columbiahalle, Columbiadamm 9–11, Tempelhof, Public Day: Sa 22.1., 10-18 Uhr, Eintritt: 5 Ђ, http://thekey.to

Greenshop
Temporärer Shop für nachhaltig hergestellte Mode-Labels, Hotel Adlon Kempinski, Unter den Linden 77, Mitte, 19.-21.1., 10-20 Uhr, www.green-showroom.net

Foto (oben): Harry Schnittger

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