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Bio Boom auch in der Mode

Öko sieht Magdalena Schaffrin nicht gerade aus. Ihr kurzer schwarzer Bob ist akkurat geschnitten, ihre Kleidung dunkel und elegant. Dennoch gilt die 31-Jährige als Vorreiterin und Hardliner unter den nachhaltigen Designern in Berlin. Sie legt auf erstklassiges Design mindestens genauso viel Wert wie auf Nachhaltigkeit und scheut auch einen Begriff nicht, vor dem viele Designer Angst haben, weil er so ganz und gar unmodisch klingt: „Öko-Luxus“ nennt sie ihre Kollektionen.

Auf der Fashion Week ist sie gleich bei drei Events mit diesem „Öko-Luxus“ ganz vorn mit dabei: Im Kaufhof am Alexanderplatz gibt es die Mode drei Tage lang zu bestaunen und zu kaufen. Die Veranstaltung BerliNordik „bright green design“ bringt junge, nachhaltig arbeitende Designer aus Berlin und Skandinavien zusammen und zeigt auch Schaffrins Mode. Und dann stellt sie noch ihre eigene Veranstaltung zusammen mit Jana Keller, Chefin des Öko-Taschenlabels „Royal Blush“, auf die Beine: den „GREENshowroom“. Dort zeigen sie Mode mit nachhaltigen Ansätzen von 30 internationalen Designern, die sich alle aufs Luxussegment spezialisiert haben.

„So etwas gab es früher nicht“, sagt Schaffrin. Es habe zwar Ökomessen gegeben, „doch da waren keine Einkäufer“, sagt sie. Im Adlon erschafft sie nun schon zum dritten Mal für Einkäufer, Fachpublikum, Modedesigner und Interessierte vier Tage lang ein luxuriöses und seriöses Ambiente für Eco-Fashion und holt sie so aus der Reformhausecke. Denn bisher fristete nachhaltige Mode ein Nischendasein, sie war  in den „green areas“ der großen Messen eher der eigentümliche Außenseiter. Nun gibt es immer mehr Messen und Showrooms, die sich explizit nur grüner Mode widmen und sie nicht als Alternative für Gutmenschen anpreisen, sondern als ernstzunehmende Entwicklung in der Modebranche etablieren, eine mit höchsten Designansprüchen.
„Für mich war immer klar, es gibt keinen anderen Weg“, sagt Magdalena Schaffrin, die während eines Praktikums bei H & M zu Studienzeiten noch belächelt wurde, als sie eine Ökolinie vorschlug. Als Vorreiterin ist sie bei ihren Kollektionen heute besonders streng. Sie verwendet nur natürliche Fasern oder recycelte Materialien, deren Bearbeitung ohne schädliche Bleichmittel und Schwermetalle erfolgt ist. Außerdem soll die Mode fair gehandelt und am besten lokal produziert werden. Schaffrin geht noch über die Standards hinaus: Auch langlebig und zeitlos soll die Mode sein. Sie durchbricht deshalb die starre Regel der Modewelt, zwei Kollektionen im Jahr zu designen und macht eine Modelinie, deren Teile aufeinander aufbauen. Bei den Labels, die sie mit Jana Keller für die Messe aussucht, ist sie weniger streng. „Manche machen Recycling, andere verwenden Ökomaterialien, manche verfolgen einen sozialen Ansatz. Aber alle sind offen, das ist uns am wichtigsten“, sagt sie.

Während der Green Showroom das Luxussegment bedient, konzentriert sich die ebenso junge Messe thekey.to auf Streetwear. Unter dem Motto „Acceleration“ – zu Deutsch Beschleunigung – residiert sie dieses Jahr im Postbahnhof in Friedrichshain. „Eigentlich wird der Begriff Nachhaltigkeit ja eher mit einer Entschleunigung in Verbindung gebracht“, so Prins, „doch die grüne Marke muss wirtschaftlicher werden und wachsen“, erklärt er das Motto der Messe. Beschleunigtes Wachstum, im Namen der Entschleunigung also. Mit rund 50 Ausstellern will sich die junge Messe in Größen einreihen wie Bread and Butter und Premium. Mit einem sogenannten „Sustainability Check“ wird dabei geprüft, wie nachhaltig die Marken sind und ob sie ins Konzept passen, so Frans.
So schließen sie aus, dass sich Designer mit dem Label „nachhaltig“ nur schmücken. Doch das passiere, wenn überhaupt, nur bei großen Firmen, sagt Magdalena Schaffrin. Die meisten kleinen Labels würden es dagegen ernst meinen. „Sie würden sich sonst den Stress nicht geben, sich an die ganzen Richtlinien zu halten.“ Konkurrenz untereinander gibt es erstaunlich wenig. Die Macher von thekey.to und Schaffrin sind beispielsweise befreundet. Austausch wird, mehr als sonst üblich, begrüßt. Und auch den Endkunden soll grünes Design nahe­gebracht werden. Denn im Gegensatz zu „normaler“ Mode gibt es hier viel Erklärungsbedarf. Wo kommt die Mode her? Wie wird sie hergestellt. Woraus besteht sie? Der GREENshowroom und thekey.to sind deshalb am letzten Messetag auch für die Öffentlichkeit geöffnet. Bei thekey.to gibt es außerdem schon während der Messe ein umfangreiches Rahmenprogramm für Verbraucher und eine Academy mit Seminaren und Workshops für Nachwuchsdesigner oder Quereinsteiger.

Eine neue Denkweise über ökologische Produkte anregen will auch der Showroom Seefashion im Haus der Kulturen der Welt. Im Rahmen der Fashionweek zeigt das Projekt „Greenlab“ der Kunsthochschule Weißensee nachhaltige Designkonzepte seiner Modestudenten, einer neuen Generation von potenziell grünen Modedesignern. Eine Fashionshow bietet zum Abschluss einen Überblick über das Modeschaffen an der Hochschule. Und auch die Galeries Lafayette unterstützt die neue Entwicklung. In der ersten Etage stellt Labo Mode, die Plattform für die Avantgarde, die Eco-Fashion junger Berliner Labels vor. 

Text: Antje Binder

zur Bildergalerie mit Modellen von Magdalena Schaffrin

 

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