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Bread & Butter Berlin im Flughafen Tempelhof

bread_butterDer Anfang
Brot und Butter. Der Name soll die Richtung vorgeben, als Karl-Heinz Müller im Juli 2001 die erste Bread & Butter in Köln in einem leer stehenden Lagerhaus veranstaltet. Es soll ein Off-Event sein, schlicht und einfach wie ein gutes Butterbrot. Parallel läuft die etablierte Modemesse Interjeans, die Müller, der zuvor 17 Jahre lang für Marken wie Levi’s oder Marc O’Polo gearbeitet hatte und anfangs noch mit zwei weiteren Gesellschaftern auftritt, nicht nah genug am Zeigeist erscheint. 50 Aussteller zeigen ihre Kollektionen. Bewusst sprechen die Organisatoren von einer „Ausstellung“ und nicht von einer „Messe“. Letzteres klingt ihnen zu eingefahren. Sie wollen sich abgrenzen, authentisch sein. Marken wie H&M oder Zara müssen draußen bleiben. Schon die erste Bread & Butter ist ein Erfolg. 15?000 Fachbesucher kommen. 2003 zieht die Bread & Butter nach Berlin in die Spandauer Kabelwerke. Nach einem Jahr in der Hauptstadt sind bereits 380 Modemarken bei der BBB (Bread & Butter Berlin) dabei. Und 25?000 Fachbesucher.

Der Umzug
Im Januar 2005 kommen über 40?000 Besucher. Der Erfolg treibt Müller an. Ein paar Monate später, im Sommer, feiert die erste Bread & Butter in Barcelona auf dem zentralen, historischen Expogelände von 1929 ihre Premiere. 2006 bekommt Müller den Verdienstorden des Landes Berlin verliehen. Da leidet die Bread & Butter in der deutschen Hauptstadt schon unter der selbst geschaffenen Konkurrenz in Spanien. Im Januar 2007 findet nur noch eine verkleinerte Bread & Butter im alten Vattenfall-Turbinenkraftwerk statt, nur noch 40 Marken nehmen teil. Dann folgt das Aus. Als Begründung führt Müller unter anderem an, dass er in Berlin keinen geeigneten Ausstellungsort mehr findet. In Barcelona, so heißt es in der Stadt, bringen die Messebesucher über 100 Millionen Euro ein. Doch so ganz verlässt Müller Berlin nie. Die Zentrale der Bread & Butter bleibt in der Münzstraße in Mitte.

Die Rückkehr
Als die Bread & Butter 2009 nach Berlin zurückkehrt und den Flughafen Tempelhof als Ausstellungsgelände zugesprochen bekommt, wird in der Stadt heftig gestritten. Der Ideenwettbewerb der Senatorin für Stadtplanung zur künftigen Nutzung des stillgelegten Flughafens scheint plötzlich ad absurdum geführt worden zu sein. So wollten etwa die Filmstudios Babelsberg das Gelände zum internationalen Filmzentrum ausbauen. Erbost zieht die Berliner CDU vor Gericht und will den rot-roten Senat zwingen, die Akten über die Vertragsverhandlungen mit Müller offenzulegen. Immerhin erlaubt der Vertrag es Karl-Heinz Müller, in den nächsten zehn Jahren für jeweils zwei Monate im Jahr das Flughafengebäude zu mieten. Mietkosten: angeblich 1,6 Millionen Euro. Zuvor jedoch muss der Senat teure Umbauten am Flughafengebäude vornehmen. Doch der Ausstellungsort und der Mietvertrag sind nicht der einzige Streitpunkt. Müller verlegt auch den Sommer-Ausstellungstermin. Um ihr Publikum nicht zu verlieren, ändern die bislang parallel laufende Premium oder die Mercedes-Benz Fashion Week zähneknirschend ebenfalls ihre Termine.

Heute
2011 ist die BBB eine der größten Modemessen der Welt. Im Januar zeigten über 600 Aussteller ihre Kollektionen für den Herbst/Winter 2011/12 auf 70?000 Quadratmetern. Nach Angaben der BBB sollen 90?000 Besucher angemeldet gewesen sein, zwei Drittel aus dem Ausland. Nach zehn Jahren Existenz scheint man bei der Bread & Butter Berlin nur noch in Superlativen zu denken. Passend heißt die Jubiläumsmesse „The Bread & Butter Supershow“. Etwas vergessen ist da der Anfang: Eine schlichte Mahlzeit, Brot und Butter, ist die Messe schon lange nicht mehr.

Text: Anne Lena Mösken

Bread & Butter Berlin im Flughafen Tempelhof, 06. bis 08. Juli 2011, www.breadandbutter.com

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