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Der Bücherbogen in Charlottenburg

buecherbogenDas Rattern der Züge über ihr gehört dazu. Früher vor dem Mauerfall fuhr die S-Bahn nicht, dazwischen gab es Sanierungen, dann den einen oder anderen Streik. Ihr Laden war jedoch immer in Betrieb. Seit mehr als drei Jahrzehnten hält Ruthild Spangenberg mit ihrem Bücherbogen die Stellung in einer der schönsten Ladengeschäfte in den S-Bahnbögen. Ruthild Spangenberg sitzt auf einem schlichten schwarzen Holzstuhl. Kurze Haare, dunkel und adrett gekleidet. Sie führt in den vorderen Bereich des Ladens. Während sich nebenan die Bücher in den Regalen drängen, ist hier alles übersichtlich. Die Bände liegen fast wie in einem Museum nebeneinander, warten darauf, durchgeblättert zu werden.  

1980 eröffnete die Buchhändlerin den Bücherbogen. Die S-Bahn gehörte noch zur DDR und wurde von Westberlin weitgehend boykottiert. Die Bögen unter den Schienen gehörten jedoch zum Westen und konnten gemietet werden. Da, wo jetzt der Bücherbogen ist, war vorher eine Autowerkstatt und ein Blumenladen. Weit über die Grenzen von Charlottenburg hinaus ist das Buchgeschäft heute für sein Angebot an Kunst-, Architektur- und Fotobänden bekannt. Er ist dabei spürbar gesetzter und erfahrener als seine jungen Kollegen in den aufstrebenden Bezirken. Die Beratung ist versiert, das Inte­rieur schnörkellos. Der Laden forciert eine enge Zusammenarbeit mit Verlagen, um die Leute dazu zu bringen, hier und nicht im Internet zu kaufen. Zu den Kunden gehören Kunstliebhaber, Studenten aus der benachbarten Universität der Künste. Prenzlauer Berger, auch wenn sie kulturinteressiert sind, gehörten nicht unbedingt zu den Stammkunden im Bücherbogen, sagt Spangenberg. Sie hat beobachtet, dass einige Geschäfte nach dem Boom im Osten wieder nach Charlottenburg zurückzogen.

Ruthild Spangenberg kennt und schätzt den Bezirk und seine vielen alten Geschäfte und Lokale „das schwarze Kaffee um die Ecke, den Diener, das Cafй Hardenberg“. Seit über 40 Jahren arbeitet sie in Charlottenburg in verschiedenen Bücherläden, vor einigen Jahren ist sie dann hierher gezogen. Ihre Tochter Wanda Spangenberg, mit der sie das Geschäft führt, fährt jeden Tag vom Prenzlauer Berg zum Savignyplatz.

Bücherbogen Stadtbahnbogen 193, Charlottenburg, Tel 318 69 50, Mo–Fr 10–20 Uhr,
Sa 10–18 Uhr, www.buecherbogen.com

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