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Der Bart macht den Mann

Touchy Mob

Bärte sind wieder angesagt. Es ist jetzt nicht die Rede von Kinn-, Ziegen- oder Dreitagebärten, die schon länger gesichtet werden, nein: richtige Vollbärte. Ein Trend, der seine Träger oft um Jahre älter macht. Was ist so cool daran, auszusehen wie sein eigener Großvater? Musiker und Rauschebartträger Touchy Mob (Foto) erklärt es so: „Jungs, die dieser Mode folgen, haben nichts mit Militär oder Vorstellungsgesprächen zu tun.“ Kommt einem irgendwie bekannt vor. Auch in den 68ern demonstrierten junge Männer mit dem Wildwuchs gegen das Establishments. Danach wurde es still um den Bart, bis er schließlich in den aalglatten 80ern, außer bei Peter Lustig und ein paar versprengten Physiklehrern, ganz von der Bildfläche verschwand. Erst Mitte der 90er kehrte er zurück, George Michael und George Clooney waren damals mit ihren Ziegenbärten Stilikonen.
Heute sprießt es bei vielen Stars wieder im ganzen Gesicht, weil das die Damenwelt angeblich sexy findet. Davon kann auch Touchy Mob ein Lied singen: „Oft kommen unbekannte Frauen, die meinen Bart anfassen wollen“, erzählt er. „Dann jauchzen sie, und ich muss mich zehn Minuten mit ihren Boyfriends über dessen Bartwuchssorgen unterhalten.“ Aha? Viel subtiler kommt da der Schnurrbart daher, der ebenfalls ein Comeback erfährt. Denn im Gegensatz zum kuscheligen Vollbart setzt er bei seinen Trägern lässige Eleganz voraus. Für den Münchner Designer Patrick Mohr ist sein Schnauzer nicht nur Fashionstatement, sondern Familientradition. „Mein Vater und Großvater tragen ihn auch“, sagt er. Auf der letzten Fashion Week schickte er Models mit den unterschiedlichsten Bärten auf den Laufsteg, darunter auch ein fein gezwirbelter Oberlippenbart. Er mache einen Mann gleich um 25 Prozent männlicher, heißt es im Buch „Der Schnurrbart – Ein Revival“, das kürzlich im Knesebeck Verlag erschien. Darin steht alles zum Thema: von berühmten Trägern bis zu Salzstreuern mit Schnauzbart-Dekor.
Und auch für die Frauen ist bei dem Trend mehr als ein Damenbart drin: Moustaches, gemalt oder aufgeklebt, sieht man jetzt häufiger auf ihren Oberlippen. Im Nachtleben. Bislang.

Text: Wolfgang Altmann

Foto: Janina Niemesch

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